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Zusammenschluss zur Gesamtwehr

Geschrieben von Andreas Widmayer

Am 19. Januar 1974 ist in der Feuerwehrgeschichte von Herrenberg ein neues Kapitel angebrochen: der Zusammenschluss von sieben Abteilungen - Herrenberg, Affstätt, Haslach, Kayh, Kuppingen, Mönchberg und Oberjesingen - zu einer großen Wehr.

 

Durch die Gemeindereform und die erfolgten Zusammenschlüsse mit Haslach, Kayh, Kuppingen, Mönchberg und Oberjesingen war es notwendig auch die künftige Organisation der Feuerwehr zu überprüfen. In §15 Abs. 2 der Vereinbarungen über den Zusammenschluss heißt es: "Die Freiwillige Feuerwehr..... wird als besondere Feuerwache gleichberechtigt in die Freiwillige Feuerwehr Herrenberg eingereiht und an die Herrenberger Verhältnisse angepasst." Damit wurde festgestellt, dass die bestehenden Feuerwehren in den einzelnen Teilorten aufrecht zu erhalten sind.

 

Von Oktober 1972 bis zur ersten Hauptversammlung aller Abteilungen am 19. Januar 1974 wurde mit den Kommandanten, den Ausschüssen, Kreisbrandmeister Ehmann und den Ortsvorstehern die Neuorganisation und ein Satzungsentwurf erörtert und vorbereitet.

 

Nach §4 des Feuerwehrgesetzes hat jede Gemeinde eine, den örtlichen Verhältnissen entsprechende, leitstungsfähige Feuerwehr zu unterhalten. Infolge der Gemeindezusammenschlüsse war deshalb eine einheitliche Feuerwehr in der Stadt zu bilden, die aus mehreren Abteilungen bestehen kann. Entsprechend einem Satzungsmuster vom Innenministerium, dem Gemeindetag, dem Städtetag und dem Landesfeuerwehrverband wurden die Organisationen der Gesamtwehr und die verwaltungsmäßige Selbstständigkeit der Abteilungen geregelt.

 

Am 19.01.1974 versammelten sich die Feuerwehrmänner von Herrenberg, Affstätt, Haslach, Kayh, Kuppingen, Mönchberg und Oberjesingen in der Stadthalle Herrenberg, um sich zu einer Wehr zusammenzuschließen. Dem Satzungsentwurf wurde bis auf eine Stimmenthaltung zugestimmt und die Wahlen des Kommandanten und seiner Stellvertreter sowie des Ausschusses durchgeführt.

 

Als Stadtkommandant wurde Heinz Rapp, zu seinen Stellvertretern Hermann Kohler und Gerhard Berger gewählt. Sie haben die Führung von 275 Feuerwehrlehren übernommen (Herrenberg: 62, Affstätt: 27, Haslach: 37, Kayh: 27, Kuppingen: 41, Mönchberg: 33, Oberjesingen: 48). 1975 folgte noch die Feuerwehr Gültstein mit 36 Mitgliedern.

Der Gemeinderat hat am 22. Januar 1974 die Feuerwehrsatzung beschlossen und mit der öffentlichen Bekanntmachung am 05. Februar 1974 ist die Satzung in Kraft getreten.

 

Aufgabe des Kommandanten und seiner Stellvertreter sowie des Ausschusses war es, die eigenständigen, jahrzehntelang im Eigenbereich gewachsenen Organisationen einander technisch, gesellschaftlich und kameradschaftlich näher zu bringen. Dies geschah durch gemeinsame Haupt- und Waldbrandübungen, die jährlich von einer anderen Abteilung vorbereitet wurden - einen Kameradschaftsabend, der alle zwei Jahre stattfand - gemeinsame Ausbildung der jungen Feuerwehrmänner und Besuch sowie Unterstützung der Abteilungen untereinander bei Festen, Übungen und Einsätzen.

 

Stadtbrandmeister Rapp führte die Gesamtwehr bis 1979. Er hatte als erster Stadtbrandmeister die schwierige Aufgabe entsprechend der Vereinbarung über den Zusammenschluss und der Ziele der neuen Satzung die Abteilungen in die Feuerwehr Herrenberg einzureihen und an die Herrenberger Verhältnisse anzupassen. In seiner Amtszeit erhielt 1975 die Abteilung Mönchberg und 1977 die Abteilung Kayh jeweils ein neues Löschfahrzeug vom Typ LF 8. Für den Stützpunkt in Herrenberg wurde am 10.06.1977 ein Rüstwagen beschafft. Für den Einsatz bei Verkehrsunfällen und zu technischen Hilfeleistungen, deren Anteil bei den Alarmierungen immer mehr zunahm, war dieses Fahrzeug mit den entsprechenden Geräten wie hydraulischer Schere und Spreizer, hydraulischer Seilwinde, Notstromaggregat, Lichtmast, Beleuchtungsgerät und anderem technischen Gerät notwendig. 1979 folgte durch die Zunahme der Einsätze bei Verkehrsunfällen und im Hinblick auf die Eröffnung der Bodenseeautobahn die Anschaffung eines Vorausrüstwagens. In die Amtszeit von Stadtbrandmeister Rapp viel auch der Beginn und der Aufbau der stillen Alarmierung und die Ausrüstung der Abteilungen mit Funkalarmempfängern. Neben diesen Anschaffungen war es auch möglich neue Räume zu beziehen. Die Abteilung Affstätt erhielt 1974 ein neues Garagengebäude und einen Unterrichtsraum. Stolz nahm der Kommandant der Abteilung Mönchberg Hans Kußmaul am 08.10.1976 den Schlüssel für ein neues Feuerwehrgerätehaus in der Ortsmitte entgegen. "Durch den soliden und zweckmäßigen Neubau des Feuerwehrgerätehauses Mönchberg ist wieder einmal bewiesen worden, dass auch die kleinen Wehren nicht auf das Abstellgleis geschoben werden" bestätigte Kreisbrandmeister Kurz Ehmann bei der Übergabe des Gerätehauses. Vom 28. - 30.05.1977 feierte die Mönchberger Feuerwehr ihr 100-jähriges Bestehen.

 

In Anerkennung seiner Verdienste um die Formierung der acht Abteilungen zu einer Gesamtwehr wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt von Oberbürgermeister Schroth die Bürgermedaille der Stadt Herrenberg in Silber.

 

Gerhard Berger wurde am 17.03.1979 als neuer Feuerwehrkommandant gewählt. Durch seine Wahl zum Kreisbrandmeister in Calw war bei der Hauptversammlung am 14. Januar 1982 eine Neuwahl erforderlich. In seine kurze Amtszeit fiel der Bau des Feuerwehrgerätehauses in Herrenberg. Am 03.10.1980 erhielt die Abteilung Herrenberg mit der symbolischen Schlüsselübergabe ihr eigenes Haus. Damit hatte die unzulängliche Unterbringung im städtischen Bauhof ein Ende. Drei Großeinsätze in dieser Zeit werden Stadtbrandmeister Berger in Erinnerung bleiben. Der Brand in der Lackfabrik Croma am 15.02.1981. Zum ersten Mal machte die Feuerwehr Bekanntschaft mit der sich aus der Verbrennung von Lacken ergebenen Risiken. Ein weiterer Großeinsatz folgte am 24.04.1981 als die Oberjesinger Mühle ein Raub der Flammen wurde. Großalarm gab es am 19.08.1981 als kurz nach Mitternacht zwei landwirtschaftliche Anwesen in der Gültsteiner Straße niederbrannten. Außer diesen Erfahrungen gab es erfreulicheres beim Fest zum 100-jährigen Bestehen der Feuerwehr in Haslach, das zusammen mit dem neunten Kreisfeuerwehrtag vom 26. - 29. Juni 1981 gefeiert wurde. In seine Amtszeit fiel im Juni 1981 die Übergabe eines Löschfahrzeuges LF 8 an die Abteilung Kayh.

 

Bei der Hauptversammlung am 14.01.1982 haben sich die Feuerwehrmänner für Manfred Maier als Nachfolger entschieden. Mit seinen Stellvertretern Kurz Sattler und Hermann Kohler geht Herrenbergs Feuerwehr in eine neue Ära.

 

Das eindeutige Ergebnis bei den Wiederwahlen 1987 und 1992 sprach für seine Leistung und integrierende Wirkung. In dieser 15-jährigen Amtszeit hat sich die Feuerwehr Herrenberg zu einer intakten und leistungsfähigen Wehr entwickelt, die auch den geänderten und anspruchsvollen Aufgaben gewachsen ist.

 

Der Mannschaftsstand, der bei 300 Feuerwehrangehörigen gehalten werden konnte, bezeugt das gute Klima. Weitsicht bewies Manfred Maier durch die Gründung der Jugendfeuerwehr 1992 und damit die Sicherung des Nachwuchses auch in der Zukunft.

 

Allein in diesen 15 Jahren Amtszeit wurde die Feuerwehr mehr als 2.600 mal alarmiert, um zu Bränden, Verkehrsunfällen, Hochwassereinsätzen, Ölspuren beseitigen, Hilfeleistungen wie Mithilfe beim Suchen von vermissten Personen, Befreiung von eingeschlossenen Personen und Tieren, Transport von Kranken über die Drehleiter, Öffnen von Türen, Wespennester beseitigen, Fehlalarmen u.a.m. auszurücken.

 

Manfred Maier hat durch eine entsprechende Ausbildung und Übungen dafür gesorgt, dass die Feuerwehrangehörigen für die Einsätze gut gerüstet waren und sind. Es wurden viele gemeinsame Übungen der Gesamtwehr an großen Objekten und im Wald durchgeführt. Die Ausbildung zum Truppmann, Truppführer, Maschinisten oder Funker brachte die Angehörigen der Gesamtwehr zusammen. Es bildeten sich Gruppen aus verschiedenen Abteilungen zur Ablegung der Leistungsabzeichen. Der Herrenberger Feuerwehrtag mit Funkübungen, Geschicklichkeitsfahren, Löschübungen und Wettkämpfen diente neben der Aus- und Fortbildung auch der Kameradschaft. Nach dem Motto "Nur wenn die Harmonie untereinander stimmt, klappt auch die Zusammenarbeit", hatte Manfred Maier auch großen Wert auf den geselligen Teil gelegt. Hierzu diente neben dem Zusammensitzen nach gemeinsamen Übungen, den Kontakten beim Feuerwehrtag, bei Ausbildungen oder der Hauptversammlung, der alle zwei Jahre durchgeführte Kameradschaftsabend.

 

Nach dem Feuerwehrgesetz ist der Feuerwehrkommandant für die Leistungsfähigkeit der Gemeindefeuerwehr verantwortlich. Er hat insbesondere auf die ordnungsgemäße Ausrüstung und auf einen guten Stand der Feuerwehreinrichtungen hinzuwirken. Diese Verpflichtung hat Manfred Maier voll und ganz erfüllt. Er hat die technische Entwicklung verbessert und seine große technische Erfahrung bei der Anschaffung von Fahrzeugen eingebracht. Es wurden fünf Löschfahrzeuge (1982 LF 16 Abteilung Herrenberg, 1983 LF 8 Abteilung Gültstein, 1986 LF 8 Abteilung Oberjesingen, 1987 LF 8 Abteilung Affstätt, 1991 LF 8 Abteilung Kuppingen), ein Tanklöschfahrzeug 24/50, drei Mannschaftstransportwagen (1985 und 1988 Abteilung Herrenberg und 1992 Abteilung Kuppingen) und ein Wechselladerfahrzeug mit Abrollbehälter für Schläuche (1994 Abteilung Herrenberg) beschafft. Die Verbesserung im Bereich der Atemschutzgeräte und der Funkalarmierung waren weitere Schwerpunkte.

 

Ein neues Feuerwehrhaus haben die Abteilung Kuppingen 1984 und die Abteilung Haslach 1993 bezogen.

 

Viele Jubiläen und Feste fielen in die Amtszeit. Die Freiwillige Feuerwehr Herrenberg konnte vom 12. - 15. Juli 1985 auf ein 125-jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Fest wurde zusammen mit dem 13. Kreisfeuerwehrtag gefeiert. Im Jahr darauf 1986, feierte die Abteilung Kayh ihren 100. Geburtstag. Die Affstätter Wehr wurde ebenfalls 100 Jahre alt und zwar 1987. Vom 09. - 12. Juni 1989 feierte die Wehr des kleinsten Stadtteils - Mönchberg - auch ihr 100-jähriges Bestehen. 1995 gab es ein großes Fest zum 125-jährigen Jubiläum in Kuppingen. Gleichzeitig wurde der 19. Kreisfeuerwehrtag ausgerichtet. Manfred Maier wurde mit dem goldenen Feuerwehr-Ehrenkreuz ausgezeichnet. Die Abteilung Kayh feierte 1996 zusammen mit dem sechsten Herrenberger Feuerwehtag das 110-jährige Bestehen.

 

Manfred Maier hat die Freiwillige Feuerwehr Herrenberg wesentlich geprägt. Durch gemeinschaftliche Veranstaltungen und Übungen hat er die Abteilung sowohl technisch aufeinander abgestimmt als auch kameradschaftlich zu einer Gesamtwehr zusammengeführt. Zu erwähnen ist insbesondere der von ihm ins Leben gerufene Herrenberger Feuerwehrtag, die Einrichtung der Jugendfeuerwehr und die Kameradschaftsabende der Gesamtwehr. Er hat sich ganz besonders für die Belange der Gesamtwehr eingesetzt. Dies gilt hauptsächlich für die Aus- und Fortbildung der jungen Feuerwehrangehörigen, das Zusammenwirken der Abteilungen bei Übungen und Einsätzen und die Sicherstellung der ornungsgemäßen Ausrüstung. Bei der Verabschiedung hob Oberbürgermeister Dr. Gantner hervor, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich sei, dass jemand sich ohne Zwang, so lange Zeit selbstlos für die Allgemeinheit, die Bürgerschaft und für seine Wehr einsetze. In Anerkennung dieser Verdienste hat der Gemeinderat Manfred Maier die Eigenschaft als Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr verliehen.

 

Werner Widmayer, seit 1989 Stellvertreter von Manfred Maier und seit 1995 Kommandant der Abteilung Herrenberg wurde bei der Hauptversammlung am 15.03.1997 mit 182 von 187 Stimmen als Kommandant für die nächsten fünf Jahre gewählt. Seine erste Amtshandlung war im Mai 1997 die Übernahme der neuen Drehleiter DLK 23-12. Der im September 1997 in Betrieb genommene Abrollbehälter Umweltschutz wurde nach der Konzeption von Werner Widmayer gefertigt. 1998 wurde ein neues Löschfahrzeug LF 16 als Ersatz für das 28 Jahre alte Tanklöschfahrzeug für die Abteilung Gültstein bestellt. Mit der Einrichtung eines Atemluftkompressors zum Füllen von Atemluftflaschen im Feuerwehrgerätehaus Herrenberg vollzog sich ein weiterer den Aufgaben und dem Bedarf angemessener Fortschrift. Die Kuppinger Abteilung hat mit der Erweiterung ihres Feuerwehrgerätehauses begonnen.