Neues Fahrzeug ist ein "Glücksgriff" und macht flexibler

Geschrieben von Andreas Widmayer

Gültstein: Wechsellader-Lastwagen mit Abrollbehälter Logistik komplettiert das Konzept der Gesamtfeuerwehr

"Wir sind den besten Weg gegangen, den wir hätten gehen können": Markus Hübner, Feuerwehr-Abteilungskommandant in Gültstein, spricht, dem Applaus zu urteilen, wohl für alle Anwesenden. Die Übergabe des neuen Wechselladerfahrzeugs mit Abrollbehälter Logistik, das ein altes Löschfahrzeug ablöst, wurde im Gerätehaus der Abteilung Gültstein gefeiert.

Es sei etwas Besonderes, dieses neue Fahrzeug in die Abteilung aufnehmen zu können. Man treffe sich an diesem Tag zur offiziellen Übergabe, erklärte Hübner nach der Begrüßung der Anwesenden in seiner Rede. "Das Projekt lief über mehrere Jahre, es war geprägt von Besprechungen, Verhandlungen, Schulungen der Kameraden und zuletzt von der Lieferung des Abrollcontainers", erzählte er. Das Trägerfahrzeug selbst hingegen hat schon einige Einsätze erfolgreich hinter sich gebracht. Es handelt sich um einen Gebraucht-Lkw mit 300 000 Kilometern und 440 PS aus dem Fernverkehr, der an die Anforderungen der Feuerwehr angepasst, modernisiert und mit einem hydraulischen Lastarm ausgestattet wurde. Der Pressesprecher der Feuerwehr Herrenberg, Andreas Widmayer, berichtete von dem unerwarteten Einsatz eine Stunde nach der Abholung des Fahrzeuges bei der Firma Meindl in Hameln. Bis zum Eintreffen der örtlichen Feuerwehr hätten sie die Straße abgesperrt, Personen geholfen und später die eintreffenden Einheiten unterstützt. Auch beim Großbrand in den Lagerhallen der Firma Reisser in Böblingen habe das Wechselladerfahrzeug mit dem Abrollbehälter Sonderlöschmittel aus Herrenberg bereits im Juni 2014 gute Dienste geleistet.

Oberbürgermeister Thomas Sprißler nannte die Übergabe "wieder ein schönes Ereignis in den Reihen der Feuerwehr" und meinte, heutzutage seien deren Fahrzeuge nicht "einfach nur Feuerwehrautos": Es gebe permanent neue Entwicklungen und die Einsatzzwecke der Feuerwehr hätten sich in den letzten Jahren teilweise stark verändert. So versuche er - in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat - der Gesamtwehr "in vernünftigem Maß die technische Ausrüstung an die Hand zu geben", damit diese gewappnet sei, wenn der Einsatz es erfordere: "Eine extrem gute Grundlage" sei bereits mit dem Feuerwehrbedarfsplan geschaffen worden. Später hob Sprißler die gute Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen Herrenberg und Gültstein hervor. Anknüpfend hieran lässt sich auch das nun "vollendete Wechselladerkonzept" der Gesamtwehr Herrenberg vorstellen: Für Wechselladerfahrzeuge, von deren Art der Wehr nun zwei zur Verfügung stehen (in Herrenberg ist schon ein älteres Wechselladerfahrzeug im Einsatz), gibt es verschiedene Container, sogenannte Abrollbehälter, die je nach Einsatz innerhalb kürzester Zeit mit dem hydraulischen Lastarm auf- oder abgeladen werden können. Die drei Abrollbehälter Umweltschutz, Mulde und Sonderlöschmittel seien in Herrenberg stationiert, der neue Container Logistik habe seinen Platz in Gültstein, erklärte Widmayer. Durch das zweite Wechselladerfahrzeug sei die Gesamtwehr weitaus flexibler im Transport der nötigen Container und auch für den Fall eines Fahrzeugdefektes abgesichert. Außerdem könne Zeit eingespart werden; die Gesamtwehr werde mit der Neuanschaffung leistungsfähiger, so der Pressesprecher.

Im Inneren des Abrollbehälters Logistik befinden sich Rollwagen mit einsatzspezifischem Equipment: Neben 1500 Meter Schlauch für die "Wasserförderung lange Wegstrecke" und einer Ausstattung für Tunnelbrandbekämpfungen, die in Rollwagen verstaut ist, könne der neue Container bei "Flächenlagen" wie Hochwasser oder Sturm in nur wenigen Minuten auch mit Sandsäcken befüllt werden.

Spezielles Team geschult

Für den Umgang mit dem Fahrzeug erfordert es neben einem Lkw-Führerschein einen abgeschlossenen Maschinistenlehrgang sowie Zusatzunterweisungen für Wechselladerfahrzeuge und zwei bis drei Stunden "Fahrprobe". In der Gesamtwehr sind momentan 18 Maschinisten und eine speziell ausgebildete Mannschaft mit ihren Führungskräften im Team für den Dreiachser. Aus dem Fernverkehr kommend, habe dieser, so Widmayer, auch ein anderes Fahrverhalten.

"Obwohl die ursprüngliche Planung anders aussah, bin ich stolz, Ihnen heute das neue Fahrzeug übergeben zu können", schloss Sprißler. Mit diesen Worten spielte er auf die Absage des Landeszuschusses an, woraus die Idee und Möglichkeit des Einsatzes eines Gebrauchtwagens erst entstanden sei, wie Widmayer später skizzierte. Wäre das geplante Fahrzeug bezuschusst worden, hätte es ein Neufahrzeug ohne wechselbaren Abrollbehälter und ohne die positiv ins Gewicht fallenden "Extras" sein müssen. Im Internet habe man den "Geheimtipp", die Firma Meindl in Hameln, entdeckt und sei offen in den Dialog gegangen. Mit 200 000 Euro Budget der Stadt seien die Kosten von Meindl letztlich abgedeckt gewesen. "Durch die vorige Nutzung im Fernverkehr ist das Wechselladerfahrzeug stärker motorisiert, wir haben eine bessere und großräumigere Innenausstattung der Fahrerkabine", meinte Widmayer. Er sehe die Neu-Investition auch in Zukunft als Bereicherung. Auf die Frage nach der Nutzungsdauer antwortete er beherzt: "Das Fahrzeug ist gut eingefahren worden." Lastwagen dieser Art seien auf über eine Million Kilometer ausgerichtet. "Meindl hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt, wir sind in der gesamten Umgebung Vorreiter für solch ein Feuerwehr-Gebrauchtfahrzeug", sagte Widmayer stolz und zeigte auf den "Neuzugang" im Gerätehaus: "Das hier ist ein Plus für die Region."

2016 10 15 Neues Fahrzeug ein echter Gluecksgriff und macht flexibler
Thomas Meindl übergibt den Schlüssel an Thomas Sprißler und Markus Hübner (von links)

Quelle:
Text: Gäubote - Vivienne Kobel
Foto: Gäubote - Holom