Feuerteufel kommen oft unbehelligt davon

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Brandserien halten Feuerwehr und Bürger in Atem - Polizei in Poltringen noch ohne Ergebnis

Wer steckt hinter den bisher fünf Brandstiftungen in Poltringen? Die Polizei ermittelt mit Hochdruck. Im Ort wird spekuliert. "Es wird viel darüber geredet", sagt Dieter Karmann, Kommandant der Gesamtfeuerwehr Ammerbuch, die in den vergangenen Wochen gefordert war wie selten zuvor. Nur: Der "Feuerteufel", der seit Juni Schuppen in Schutt und Asche legt, ist noch nicht gefunden.

Nach fünf Brandstiftungen, bei denen der oder die Täter, mehr als 100 000 Euro Schaden angerichtet haben, herrscht in Poltringen Anspannung. Zuletzt schlug der "Feuerteufel" am 15. August hinter der Mühle zu. Seither musste die Feuerwehr nicht mehr ausrücken. Aber: "Wenn wir gefordert sind, sind wir da", sagt Dieter Karmann, Chef der Ammerbucher Feuerwehr. Wer die Feuer gelegt hat, welche Motive diesen Taten zugrunde liegen, weshalb der oder die bisher Unbekannten es auf Schuppen abgesehen haben und dies ganz speziell in dem Ammerbucher Teilort? Karmann kennt die Fragen, er stellt sie sich selbst auch, findet darauf aber keine Antwort. "Nach den Bränden waren immer Kriminaltechniker der Polizei vor Ort. Ob die aber etwas finden konnten, kann ich nicht sagen. Die Schuppen waren ja immer komplett niedergebrannt, da war nicht mehr viel übrig."

Bei der Kriminalpolizei in Tübingen ist die Suche nach dem oder den Tätern "im Gange", wie Christian Wörner, Sprecher des Polizeipräsidiums in Reutlingen, sagt. Ob bei den Brandlegungen ein Muster erkennbar ist, ob Brandbeschleuniger benutzt wurden, ob es sich, wie allgemein vermutet wird, immer um denselben Täter handelt oder vielleicht doch um unterschiedliche Verdächtige - Einzelheiten zum Stand der Untersuchungen will Wörner aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben. Er bestätigte gegenüber dem "Gäubote" aber, dass die vierköpfige Ermittlungsgruppe "in alle Richtungen ermittelt und nichts ausschließt". Erfolge zeitigen diese Untersuchungen bisher nicht. Denn: "Es liegen noch keine Ergebnisse vor", sagt Nicolaus Wegele von der Staatsanwaltschaft in Tübingen, die sich des Falls ebenfalls angenommen hat.

Tatsächlich kommt die Polizei den Feuerteufeln nicht immer auf die Schliche. "Leider werden die wenigsten dieser Brandserien aufgeklärt." Es sei denn, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, "der Täter wird auf frischer Tat ertappt" - oder aber, er macht Fehler, die letztlich auf ihn schließen ließen. Wie Nicolaus Wegele betont, droht einem Brandstifter bei einer Verurteilung eine Strafe von einem bis zu zehn Jahren Gefängnis - je nach Ausmaß und Schwere der Straftat. Mit lebenslänglicher Haft ist zu rechnen, wenn bei diesen Verbrechen Menschen zu Tode kommen.

Wildberg 1994 - In Wildberg hält Mitte der 1990 Jahre ein Brandstifter Bevölkerung und Feuerwehr in Atem. Es beginnt - wie in Poltringen - damit, dass Scheunen angesteckt werden. Betroffen ist der Stadtteil Schönbronn. Im Januar 1994 wird das erste Feuer gelegt. Zwei weitere Scheunen folgen, dann legt der unbekannte Täter die erst zehn Jahre alte Turn- und Festhalle in Schutt und Asche. Allein hier entsteht rund 1,25 Millionen Euro Schaden. Eine Garage und eine weitere Feldscheune folgen. Dann hat der Spuk ein Ende. Bis heute bleibt die Serie ungeklärt. Dabei gibt es einen Verdächtigen - einen Feuerwehrmann. Doch die von Polizei und Staatsanwaltschaft zusammengetragenen Beweise reichen dem Gericht nicht aus. Es gibt keinen Prozess und erst recht kein Urteil. "Es war eine schwere Zeit für uns als Feuerwehr", erinnert sich Eberhard Fiedler, damals Gesamtkommandant in Wildberg. Zum einen, weil der potenzielle Täter in den eigenen Reihen ausgemacht wurde, zum anderen der Ängste wegen, vor allem in Schönbronn: "Die Leute ließen sich zum Beispiel Bewegungsmelder an ihre Häuser installieren."

Gärtringen 2012 - Im Herbst 2012 beginnt ein bislang unbekannter Täter in Gärtringen damit, Feuer zu entfachen. In der Nacht zum 28. September brennt im Friedhofsweg eine Scheune, am 31. Oktober kommt es zu einem weiteren Scheunenbrand in Rohrau, zudem muss die Feuerwehr ein Auto im Rößeweg löschen. Bis zum 4. Januar werden weitere Brände gelegt: an Autos auf dem P+R-Parkplatz und in der Daimlerstraße, an einem Scheunentor in der Moltkestraße, zudem wird an einem Gebäude in der Deckenpfronner Straße und an einer Doppelgarage in der Bahnhofstraße mutwillig Feuer gelegt. Der Schaden ist hoch, verletzt wird jedoch niemand. Die Polizei ermittelt auch hier in alle Richtungen - sogar in den Reihen der freiwilligen Feuerwehr. Überraschend tauchen Kripobeamte in einer Versammlung auf, um einzelne Mitglieder zu befragen. Bis heute ist aber kein Täter ausgemacht. "Es hörte im Januar 2013 einfach schlagartig auf", erinnert sich Markus Priesching, Kommandant der Gärtriger Feuerwehr und Chef des Kreisfeuerwehrverbands Böblingen. Möglicherweise eine Folge erhöhter Kontrollen durch die Polizei, die zusätzlich Streife fährt. Doch auch die Feuerwehr habe versucht, die Menschen zu sensibilisieren, wie Priesching erklärt, "zugleich haben wir die Alarmierung eine Stufe höher gesetzt." Konkret bedeutet dies: Wird die Feuerwehr gerufen, rückt - auch bei kleineren Bränden - nicht nur ein einzelner Löschzug aus, sondern die gesamte Abteilung. "Auch wenn es leerstehende Häuser sind, die angezündet werden, so etwas kann sich im Ortskern ja auswachsen."

Leonberg 2012 - Hinter Schloss und Riegel sitzt inzwischen ein 46-Jähriger, der 2012 in Leonberg und Renningen weit über 150 000 Euro Schaden mit seinem Feuerzeug angerichtet hat. Das Landgericht Stuttgart verurteilte ihn wegen mehrfacher schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung zu drei Jahren Haft und ließ ihn gleichzeitig in die geschlossene Psychiatrie einweisen. Ein Gutachter betrachtete den Frührentner als "Gefahr für die Allgemeinheit". Der Mann legte zwei Mal Brände im Keller eines Leonberger Mehrfamilienhauses, wo er selbst wohnte sowie in einer Toilette in Renningen. Dort konnte ihn die Polizei festnehmen. Als Grund gab er unter anderem "Langeweile" an.

Sindelfingen 2015 - Wut, Frust und Alkohol treiben einen damals 22-jährigen Sindelfinger dazu, in der Nacht auf den 24. August 2015 in seiner Heimatstadt zu zündeln. Zuerst legt er einen Brand an einem Imbisswagen, anschließend an einem Lkw. Außerdem versucht er, in einem Anbau des griechischen Kulturvereins ein Feuer zu entfachen, was ihm jedoch misslingt. Den Schaden beziffert die Polizei auf 55 000 Euro. Auf die Spur des 22-Jährigen kommt die Kripo durch einen Zeugenhinweis. Ein Nachbar hegt nach einer weiteren Brandserie am 16. September Verdacht. Das Amtsgericht verurteilt den Angeklagten später wegen Brandstiftung zu zwei Jahren Gefängnis - ausgesetzt zur Bewährung. Nachgewiesen werden können ihm die Taten am 24. August, jedoch nicht die diversen Mülleimerbrände im September.


Quelle:
Text: Gäubote - Dietmar Denner