Hauptamt soll Entlastung bringen

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Feuerwehr bekommt neue Struktur im Führungsbereich

Die Arbeitslast erdrückt die ehrenamtlichen Herrenberger Feuerwehrleute. Eine Analyse hat ergeben, dass es nötig wäre, die Stelle des Kommandanten, dessen Stellvertreters sowie des Feuerwehrsachbearbeiters in der Stadtverwaltung hauptamtlich zu besetzen. Dafür sprach sich auch der Technische Ausschuss des Gemeinderats aus.

"Wir brauchen zukunftsfähige und belastbare Strukturen", schickte Oberbürgermeister Thomas Sprißler dem Vortrag von Thomas C. Raible voraus. Der Mitarbeiter des Büros Luelf und Rinke hatte die bisherige Organisation der Freiwilligen Feuerwehr Herrenberg untersucht und brachte nun einen Vorschlag für eine neue Struktur mit in den Technischen Ausschuss des Gemeinderats. "Wir haben intensive Gespräche geführt, um den Zeitaufwand zu bestimmen", sagte Raible zu seiner Analyse. Dazu kam ihm allein beim stellvertretenden Kommandanten eine Erkenntnis, die den Zeitaufwand verdeutlicht. "Er hat jeden Tag drei Stunden reine Arbeitszeit für die Feuerwehr", sagte Raible. Dabei ist dieses Amt ehrenamtlich besetzt. "Das ist nicht mehr zumutbar", befand der Experte. "Das sind rund 1 000 Stunden im Monat." Der Aufwand des Kommandanten liege bei einem Vollzeitäquivalent - auch diese Stelle ist bis dato ehrenamtlich besetzt. "250 Einsätze der Wehr pro Jahr sind nicht einfach zu verwalten", meinte Raible. "In Summe sind vier Stellen nötig."

Drei Stellen in Vollzeit

Diese vier Stellen sollen in Vollzeit auf den Kommandanten, seinen Stellvertreter und einen Gerätewart übertragen werden sowie eine halbe Stelle als Unterstützung im Rathaus und auf die 60-Prozent-Stelle eines Sachbearbeiters. "Die Feuerwehr wird viel mehr Zeit in die Öffentlichkeitsarbeit investieren müssen, um so mehr junge Mitglieder zu bekommen und das Ehrenamt zu stärken", sagte Raible. Von einer kleinen Berufswehr mit fünf bis sechs Kräften, die ständig im Feuerwehrhaus sind, nahm er deutlich Abstand. "Die Herrenberger Feuerwehr hat in allen Fällen die Anforderungen erreicht - weitere Hauptamtliche wären abwegig."

Kreisbrandmeister Guido Plischek begrüßte die Analyse. "Ich bin hocherfreut über das Gutachten", sagte er den Räten. "Ich habe, mit Zahlen belegt, meine Einschätzung wiedergefunden." Derzeit gehe die Herrenberger Wehr mit einer kommissarischen Führung durch schwere Zeiten. Diese Organisationsstruktur war nötig geworden, nachdem der langjährige Kommandant Werner Widmayer krankheitsbedingt seinen Rücktritt erklärt hatte (der "Gäubote" berichtete). Die Ausschusssitzung verfolgte er am Dienstag in den Zuschauerreihen. "Die Herrenberger Wehr ist die größte im Landkreis", sagte Plischek, "es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass sie stark bleibt." 14-täglich bespreche er sich deshalb mit Hartmut Wanner, dem kommissarischen Leiter. Die gesellschaftliche Veränderung - Wohnort sei immer seltener auch Arbeitsort - erfordere ein Umdenken bei der Feuerwehr. "Das ist jetzt der richtige Schritt in die richtige Richtung", meinte Plischek zur künftigen hauptamtlichen Leitung.

Hartmut Wanner verlas eine Stellungnahme des Gesamtausschusses der Herrenberger Wehr. Darin war von einer "realistischen Einschätzung" die Rede. Wanner sparte aber mit persönlichen Worten nicht. "Für mich ist der Zeitaufwand bei der Feuerwehr fast schon genug", sagte er. "Das muss endlich sein. Würde das so umgesetzt, würde ich Licht am Ende des Tunnels sehen."

Dank für die ehrenamtliche Arbeit kam von mehreren Räten. Markus Speer (CDU) ergänzte: "Diese Analyse zeigt, wie sehr der ehemalige Kommandant schon gefordert war und welchen vorbildlichen Einsatz Sie bringen." Er gab zwar zu bedenken, dass nun weitere Stellen im städtischen Haushalt zu finanzieren seien. "Aber hier ein Exempel zu statuieren, wäre falsch." Damit, antwortete Sprißler, setzte man dann auch die Sicherheit aufs Spiel.

Nun soll der Gemeinderat am Dienstag, 19. Juli, die neue Struktur absegnen.

Quelle: Text: Gäubote - Jochen Stumpf