Bürger können rasch informiert werden

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Beim Warn- und Informationssystem "Katwarn" hat der Kreis eine Vorreiterrolle übernommen

Nur wer um eine Gefahr weiß, kann sich vor ihr schützen. Im Wissen um diese Maxime hat der Landkreis Böblingen vor inzwischen fast drei Jahren eine Vorreiterrolle im Ländle übernommen und das Warn- und Informationssystem "Katwarn" eingeführt. Einen Echtalarm gab es bisher aber noch keinen.

Terrorgefahr und Extremwetter - zwei Schlagworte, die derzeit so aktuell sind wie nie zuvor. Sollte es im Landkreis Böblingen zu einer derartigen Situation kommen, könnten die Bürger über das Warnsystem "Katwarn" schnell informiert und instruiert werden. Gleiches gilt für Bombenfunde oder auch für Großbrände. "Die Feuerwehr warnt: Großbrand in Herrenberg. Verlassen Sie öffentliche Plätze und halten Sie Türen und Fenster geschlossen." So oder so ähnlich könnte die Nachricht aussehen, die über das Warn- und Informationssystem an alle Nutzer geht.

Startschuss fiel im Jahr 2013

Herausgegeben wird die Warnung von der Integrierten Leitstelle in Böblingen. Hier laufen die Fäden in allen Notfällen zusammen. Im Schaltzentrum in der Böblinger Feuerwache landen alle Anrufe, die über die Nummern 110 und 112 eingehen, von hier aus werden die Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr alarmiert. Hier wird zudem die Information der Bürger koordiniert. Dass diese in der heutigen Zeit auch über die neuen Medien erfolgt, versteht sich von selbst. Im Oktober 2013 fiel im Landkreis Böblingen der Startschuss für "Katwarn". Man übernahm seinerzeit die Vorreiterrolle im Ländle, als erster Landkreis in Baden-Württemberg führte man das System ein, das vom Fraunhofer-Institut Fokus entwickelt und von der Sparkassen-Versicherung finanziert wurde. Der schnelle Informationsfluss an die Bürger, aber auch die Weitergabe von "zuverlässigen Schutzhinweisen mit einem vernünftigen Rat" seien unerlässlich und wichtig, so die klare Botschaft damals. "Nicht jedes Unglück kann verhindert werden, dennoch ist die Warnung der Bürger das A und O", sagte der damalige Erste Landesbeamte Wolf Eisenmann bei der Vorstellung des neuen Warnsystems.

In früheren Zeiten waren für solche Fälle auf den Rathäusern oder anderen öffentlichen Gebäuden Notfallsirenen installiert. Doch von den einst unüberhörbaren Warnmeldern funktioniert heute kaum einer mehr, vielfach wurden die Sirenen bereits von den Dächern geholt. Als Ersatz wurden mobile Lautsprecheranlagen angeschafft, doch auch diese haben Nachteile. Gehört werden können sie nur von denjenigen, die sich in unmittelbarer Nähe aufhalten. Bis Polizei oder Feuerwehr eine komplette Runde durch Stadt, Gemeinde oder selbst eine Ortschaft gedreht haben, vergeht wertvolle Zeit.

Da man um dieses Manko, und zeitgleich um die Chancen der heutigen Kommunikationsformen wusste, wurde "Katwarn" entwickelt. Die Nutzer können sich damit via Mobiltelefon informieren und vorwarnen lassen. Wenn sie denn wollen, können sie kostenlos eine entsprechende App auf ihr Handy laden oder sich per Mobilnummer oder Mailadresse für den Service anmelden. Sollte es einen Großbrand geben, Unwetterkatastrophen vorausgesagt werden, ansteckende Viruserkrankungen wie die Vogelgrippe kursieren oder bei Bauarbeiten ein Bombenfund ans Tageslicht kommen, dann schlägt das Warnsystem Alarm - und macht dabei den Sirenen beinahe Konkurrenz.

Zusätzlich werden sichtbare Warnhinweise gegeben, in Form von Symbolen und von Textnachrichten. Der Vorteil von "Katwarn" somit: Auch Gehörlose, die beispielsweise von Lautsprecherdurchsagen oder auch von Warnungen, die per Radio an die betroffenen Anwohner weitergegeben werden, nicht erreicht werden können, werden durch das Warnsystem direkt informiert. Weiterer Vorteil: Über die Anmeldung per Postleitzahl wird jeder Nutzer individuell und lokal über mögliche Gefahren alarmiert, trägt seinen persönlichen "Schutzengel" also immer in der (Hosen)Tasche mit sich herum. Wer Verwandte oder Bekannte hat, die beispielsweise im hohen Norden wohnen, kann sich zusätzlich Informationen über diese Orte zukommen lassen. Oder auch wer auswärts arbeitet und wissen möchte, wenn sich am Himmel über dem Kindergarten eine Unwetterkatastrophe besonderen Ausmaßes zusammenbraut.

Bislang noch kein Echtalarm

Die zusätzlichen Wahlmöglichkeiten können jederzeit verändert, der Informationsfluss aber auch ausgeschaltet werden. Wobei sich dieser sowieso in Grenzen hält, wie die Erfahrung der vergangenen fast drei Jahre zeigt. "Bisher hatten wir noch keinen Echtalarm", sagt Martin Lange, Mitarbeiter des Landratsamtes Böblingen und dort nicht nur für die integrierte Leitstelle der direkte Ansprechpartner, sondern auch der Leiter des Bereichs Bevölkerungsschutz und Feuerwehrwesens. Zwei Mal jedoch, zuletzt im November des vergangenen Jahres, wurden die Nutzer im Landkreis über "Katwarn" alarmiert - zu Probezwecken.

2016 06 22 Buerger koennen rasch informiert werden

Quelle:
Text: Gäubote - Sabine Haarer
Bild: Fraunhofer Fokus/Oliver Lang