Der Plastikzuber zum Einweichen hat ausgedient

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Marc Langer prüft, reinigt, desinfiziert und repariert die Masken in der Atemschutzwerkstatt

Nimmt man den Bestand aller Teilort-Wehren, sind bei der Herrenberger Feuerwehr 186 Atemschutzmasken im Umlauf. Allesamt werden sie in der Werkstatt im Herrenberger Gerätehaus gereinigt, desinfiziert, geprüft, repariert und instand gehalten - und das nach jedem Gebrauch.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schutzausrüstung "nur" während einer Übung oder im Ernstfall getragen wurde. Ob derjenige, der sie getragen hat, im Innenangriff war, als Sicherungstrupp parat stand oder sie nur griffbereit in Reichweite liegen hatte. Sobald die Schutzfolie aufgerissen ist, landen die Schutzmasken in der Werkstatt im Herrenberger Feuerwehrhaus, müssen sie gereinigt und getestet werden. Eine Aufgabe für Marc Langer, für Steffen Skarke, Mario Dähne, Reinhold Kaiser, Helmut Storck, Michael Gack und Jochen Schopp. Erstgenannter ist hauptamtlicher Gerätewart der Herrenberger Gesamtwehr, die anderen sechs unterstützen ihn neben dem Übungs- und Einsatzdienst - ein weiteres, zeitaufwendiges Ehrenamt. Denn die Arbeit in der Atemschutzwerkstatt ist nicht mal eben "geschwind" gemacht. Auch wenn heutzutage weitaus weniger Zeit dafür aufgebracht werden muss, als noch vor einigen Jahren.

Moderne Maskenspülmaschine

Damals wurden die Masken noch in einem Plastikzuber eingeweicht und über der Stiefelwäsche zum Trocknen aufgehängt, wie Marc Langer erzählt. In der Zeit, als er die Stelle als hauptamtlicher Gerätewart antrat - das war im Jahr 2008 - baute man den früheren Duschraum im Herrenberger Gerätehaus zu einer kleinen Atemschutzwerkstatt um. Ein Ultraschallwaschgerät wurde angeschafft - Brillenträger kennen den Apparat in einer etwas kleineren Ausgabe vom Besuch beim Optiker.

Neun Masken fanden in der Edelstahlkonstruktion Platz und wurden dort ordentlich gereinigt. Danach ging es in ein Becken mit klarem Wasser zum Nachspülen. Im nächsten Spülbecken wartete die Desinfektionslösung, im dritten und letzten Becken wiederum Wasser zum Nachspülen. Das Prozedere ähnelte dem in einer Waschstraße, der ganze Vorgang war ungeheuer zeitintensiv. Denn pro Wasch- oder Spülgang musste mehr als eine Viertelstunde eingeplant werden und auch der abschließende Trockenvorgang schlug zeitlich gesehen ganz schön zu Buche. Was die Hände anlangt, musste man vor allem beim zweiten 40-Liter-Tauchbecken Vorsicht walten lassen - und rechtzeitig nach den Gummihandschuhen greifen. "Die Lösung ist relativ aggressiv", weiß Marc Langer aus langjähriger Erfahrung. Wer ohne Schutz im Becken nach den Masken fischte, konnte sich danach das Solarium sparen, das Desinfektionsmittel sorgte für einen nicht eben gewollten Bräunungseffekt.

Diese Art der Maskenreinigung gehört in Herrenberg inzwischen aber der Vergangenheit an, in der Atemschutzwerkstatt steht jetzt eine Maskenspülmaschine. Die kann von ihrer Größe und ihrem Aussehen her durchaus mit einer üblichen Haushaltsmaschine verglichen werden. Mit einigen Ausnahmen: Am unteren Korb sind neun Edelstahlstäbe befestigt. Sie ragen senkrecht in die Höhe, auf sie können die Atemschutzmasken aufgestülpt werden. Zweiter Unterschied zur Maschine in der eigenen Küche: Statt Klarspüler wird zum Ende des Spülprogramms Desinfektionsmittel in die Maschine gepumpt. Nach 20 Minuten sind die Masken gereinigt und desinfiziert.

Desinfektion durch UV-Strahlen

Mit Blick auf die Uhr bringt die Maschine eine enorme Verbesserung für die Herrenberger Gerätewarte und auch der Arbeitsaufwand ist nun eher machbar, zumal es mit Reinigen und Desinfizieren noch lange nicht getan ist. Nach einer kurzen Abtropfpause kommen die Atemschutzmasken in den Trockenkasten. Ebenfalls eine Neuanschaffung der Herrenberger Wehr. "Er trocknet mit Heißluft und zusätzlich wird die Luft durch UV-Strahlen desinfiziert", erklärt Marc Langer. Auf den sternförmig angeordneten Halterungen finden ebenfalls neun Masken Platz. Etwas weniger als eine Stunde dreht sich die Apparatur im Kreis, dann ist der Trocknungsvorgang abgeschlossen - und der zweite Arbeitsschritt kann beginnen: Das Prüfen der Masken.

Alle Ventile werden auf ihre Gangbarkeit getestet, für die Dichtprüfung werden die Masken auf einen Testkopf gestülpt. Der Einfachheit halber wird dieser erst nach dem Überstülpen auf Normalmaß aufgepumpt, ein Stopfen simuliert den angeschlossenen Lungenautomaten. Nur wenn die Maske den Druck mehr als fünf Sekunden halten kann, erscheint im Prüfprotokoll der entsprechende Hinweis. Ein Barcode an jeder Maske sorgt für höchste Transparenz und dafür, dass jeder vorgeschriebene Arbeitsschritt auch nachweisbar dokumentiert ist. Durch die unverwechselbare Signatur bekommen die Gerätewarte auch angezeigt, wann bei jeder einzelnen Maske die letzte Halbjahresprüfung durchgeführt wurde und ob es Zeit ist, die Sprechmembran auszutauschen. Alle sechs Jahre ist ein Tausch erforderlich, auch diese Vorsichtsmaßnahme schreibt das Gesetz vor. Sind alle Arbeitsschritte erledigt, werden die Masken in einer Folie verschweißt. Ein Arbeitsschritt, der vor ein paar Wochen eingeführt wurde. Denn so kann man sich immer sicher sein, dass die Maske frisch desinfiziert und sicher geprüft wurde. Nicht nur die Masken werden einer genauen Prüfung unterzogen, sondern auch der Lungenautomat des Atemschutzgerätes. 78 davon sind bei der Herrenberger Gesamtwehr im Einsatz. Auch hier wird geprüft und dokumentiert. Im Ernstfall ist es wichtig, dass die Schläuche fest mit dem Lungenautomat verbunden sind und dass beispielsweise der Atemregler die Atemluft aus den Flaschen von rund 300 Bar so reduziert, dass sie sich dem Umgebungsdruck anpasst und problemlos eingeatmet werden kann. In den Flaschen - sie werden, egal wie groß die verbliebene Restmenge ist, nach jedem Gebrauch mit einem Kompressor gefüllt - befinden sich sechs Liter gepresste Atemluft. "Es handelt sich dabei um reine Luft", stellt Marc Langer klar. "Sie ist zwar gereinigt, doch es wird sonst nichts beigemischt." Anders als bei den Tauchern beispielsweise wird kein Sauerstoff zugefügt, zudem verfügen die Atemschutzgeräte der Feuerwehrkameraden über ein Überdrucksystem. "Damit wird sichergestellt, dass keine Rauchgase oder Dreck in die Maske gelangen, selbst wenn diese an einer Stelle einmal nicht dicht anliegt", erklärt der Herrenberger Gerätewart.

Damit die Gerätewarte, egal ob haupt- oder ehrenamtlich tätig, wissen, was zu tun ist, müssen sie eine spezielle Ausbildung absolvieren. Eine Fortbildung, die alle drei Jahre wiederholt werden und an deren Ende eine Prüfung abgelegt werden muss. Dabei wird nicht nur theoretisch vermittelt, wie welche Teile der Maske und des Lungenautomaten heißen, sondern auch, wie allesamt fachmännisch zerlegt, geprüft und notfalls ausgetauscht und repariert werden kann. Schließlich ist, neben der guten Ausbildung, eine einwandfreie Ausrüstung das A und O bei jedem Feuerwehreinsatz.

2016 06 08 Der Plastikzuber zum Einweichen hat ausgedient

Marc Langer, Herrenbergs hauptamtlicher Gerätewart, bei der Reinigung von Atemschutzmasken

Quelle:
Text: Gäubote - Sabine Haarer
Bild: Gäubote - Holom