Den Menschen helfen, die in Not geraten sind

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Der Heilige St. Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehrleute

Er war ein aufrechter Mann. Einer, der sich für die einsetzte, die ihm wichtig waren. Der anderen zu Hilfe eilte, ungeachtet dessen, welche Konsequenzen das für ihn selbst haben wird. Der eher Leib und Leben riskierte, als dass er seine Überzeugung aufgab oder das verriet, was ihm wichtig war. Der Heilige Sankt Florian lebte vor, was die Feuerwehrkameraden auch heute leben. Da verwundert es nicht weiter, dass sie ihn zu ihrem Schutzpatron erhoben haben.

Die Fahne in der einen Hand, in der anderen einen Holzkübel. Das Wasser aus dem Eimer ergießt sich über ein brennendes Haus zu seinen Füßen. Erstickt die Flammen, die aus dem Dach schlagen. Bekleidet ist er mit einer Tunika, mit Schutzpanzer und aufwendigem Helmschmuck - der Ausstattung eines römischen Legionärs. Die Bilder des Heiligen Sankt Florian geben Aufschluss über das Leben, das er geführt hat - wenn sie auch lange nicht alles preisgeben, was ihn ausgemacht hat.

Geboren wurde Florianus im dritten Jahrhundert vor Christus, sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Wohl aber sein Todestag: Der 4. Mai 304. An diesem Tag wurde der Heilige Florian in der Stadt "Lauriacum", dem heutigen Lorch, in die Enns gestoßen. Zuvor hatte man ihm einen Stein um den Hals gebunden. Er starb, weil er zu seinem Glauben stand. Weil er trotz des kaiserlichen Befehls von Diokletian und Maximian, trotz Schlägen und Folter, nicht dem Christentum abschwören wollte. Für seine Weigerung wurde er mit dem Tod durch Ertränken bestraft.

Geburtsort ist Sankt Pölten
Doch der Reihe nach. Wenn auch das genaue Jahr nicht bekannt ist, so weiß man doch um den Geburtsort des Heiligen Florian. In "Cetium", in der Nähe des heutigen Sankt Pölten in Österreich, wurde er geboren. Obwohl er getauft war, wurde er zum römischen Militär eingezogen und machte dort Karriere. Florian wurde Kanzleivorstand des Statthalters der Provinz Ufer Noricum. An verschiedenen Stellen wird ihm als solcher die Befehlsgewalt für eine Einheit zur Feuerbekämpfung zugeschrieben, doch ob dies der Wahrheit entspricht, ist nicht gesichert.

Widersprüchliches liest man auch über seine Lebenssituation im Jahr 304. Einerseits ist die Rede davon, dass er aufgrund eines kaiserlichen Dekrets als getaufter Christ sein Amt als hochrangiger Soldat abgeben musste. Andererseits soll er zur Zeit des Erlasses das Rentenalter längst erreicht und sowieso schon den verdienten Ruhestand angetreten haben. Was letztendlich auch der Grund war, fest steht, dass Florian zurück in Sankt Pölten war, als die letzte große Christenverfolgung ihren Höhepunkt erreichte. Und er davon erfuhr, dass 40 seiner ehemaligen Kameraden festgenommen und eingekerkert worden waren. Dass sie gefoltert wurden. Alles nur, um zu erreichen, dass sie ihrem christlichen Glauben abschwören und sich der staatlich verordneten Götterverehrung anschließen.

"Ich muss zum Statthalter nach Lauriacum gehen und dort viele Martern für den Namen Christi auf mich nehmen", soll Florian gesagt haben, bevor er sich auf den Weg nach Lorch machte. Um dort für seine Kameraden ein gutes Wort einzulegen, um seine frühere Stellung zu nutzen, um sie aus dem Gefängnis zu holen. Dies ist in einem Text aus dem neunten Jahrhundert überliefert, der von Dr. Karl Rehberger, Bibliothekar, Archivar und Kustos der Sammlungen des Stiftes Sankt Florian, übersetzt und redigiert wurde.

Doch der Plan von Florian ging nicht auf. Schon auf der Brücke, die über die Enns und in die Stadt führte, wurde er von Soldaten gestellt. Er bekannte sich gegenüber seinen ehemaligen Kameraden als Christ, ließ sich verhaften und auch nicht von seinem früheren Vorgesetzten, Statthalter Aquilinus, bekehren. Selbst dann nicht, als dieser Florian foltern ließ. "Herr, mein Gott, auf dich habe ich gehofft, und dich kann ich nicht verleugnen, sondern dir diene ich und dir bringe ich das Lobopfer dar", so wird der Märtyrer zitiert. Und weiter: "Ich habe gehorcht, wie es sich für einen Soldaten gehört. Zu einem Opfer an die Dämonen aber kann mich niemand überreden. Das hilft ihnen ohnedies nichts. Wahngebilde bete ich nicht an." Von dieser Haltung rückte er nicht ab. Nicht einmal dann, als der Statthalter seinen Soldaten befahl, "mit spitzen Eisen seine Schulterblätter zu brechen" und ihn danach zum Tode verurteilte. Zum Tod durch Ertränken in der Enns. Am 4. Mai 304 wurde das Urteil vollstreckt. Obwohl sie ihm einen Stein um den Hals gebunden hatten, wurde der Heilige Florian ans Ufer gespült. Die Legende besagt, dass sein Leichnam von einem Adler beschützt und später von der frommen Valeria bestattet wurde. An seiner vermeintlichen Grabstätte steht heute das Chorherrenstift Sankt Florian bei Linz.

Florian war der erste Österreicher, der zum Märtyrer und Heiligen ernannt wurde. Er ist einer der 14 Nothelfer und im Laufe der Jahrhunderte wurde er zum Schutzpatron der Schmiede und Seifensieder, der Küfer, Töpfer, Bäcker, Gärtner, Bierbrauer und - als im 19. Jahrhundert die ersten Feuerwehren gegründet wurden - auch der Feuerwehren.

Das Sankt-Florian-Prinzip
Dass oft und viel über den vermeintlichen Zusammenhang zwischen den Brauern und den Feuerwehrleuten gewitzelt wird, das ist Torsten Rönisch wohl bewusst. Er betont aber: "Das hat damit überhaupt nichts zu tun." Ebenso wenig, wie der als "Sankt-Florian-Prinzip" bezeichnete Ausspruch - "Heiliger Sankt Florian. Verschon mein Haus, zünd andre an" - etwas mit dem Schutzpatron der Einsatzkräfte oder gar mit dem Selbstverständnis der Feuerwehren zu tun habe. "Wir helfen allen, die in Not sind", bringt Torsten Rönisch den Leitgedanken der Feuerwehren auf einen einfachen Nenner. Er nennt dies das "Werk der Nächstenhilfe" und er weiß, wovon er spricht. Denn Torsten Rönisch ist nicht nur seit 32 Jahren mit Leib und Seele Feuerwehrmann und inzwischen an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal für das Sachgebiet Jugendfeuerwehr - Bildungsmanagement und Integration zuständig und zudem Ansprechpartner für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV).

Glaube an die schützende Macht
Torsten Rönisch ist auch katholischer Theologe - und somit genau der richtige Ansprechpartner, wenn es um den Schutzheiligen der Feuerwehrleute geht. Ein Schutzheiliger, der bei den Kameraden auch in der heutigen Zeit nicht in Vergessenheit geraten ist. In einer Zeit, in der man sich viel mehr als früher auf die Technik verlassen kann. "Technik und Einsatztaktik sind das eine. Doch viele sind dankbar, dass sie von einem Einsatz heil zurück-
kommen", sagt Torsten Rönisch. "Und sie glauben daran, dass es dafür mehr braucht, als nur die Technik." Der Glaube an die schützende Macht sei ihnen wichtig und mehr noch: Der Glaube gebe auch Kraft. Dann, wenn nach belastenden Einsätzen oder dem Tod eines Feuerwehrkameraden unweigerlich die Frage nach dem "Warum?" gestellt wird. "Ich selbst könnte meinen Dienst weit weniger gut leisten, wenn ich nicht ein gutes, solides Fundament hätte, auf dem ich stehe", sagt Torsten Rönisch von sich selbst.

Dass der Heilige Florian der Schutzpatron der Feuerwehren und als solcher auch fester Bestandteil des Funkrufes geworden ist, ist für ihn naheliegend. Die Nähe zum Wasser durch die Art seines Todes sei dabei die eine Seite. Weitaus wichtiger aber sei dessen Grundhaltung. Wie der Heilige Florian stehen auch Feuerwehrleute für andere ein. Sie helfen denen, die in Not geraten sind. Auch dann, wenn sie sich dabei selbst in Gefahr bringen. "Das ist das eigentliche Sankt-Florian-Prinzip", betont Torsten Rönisch.

Quelle:
Text: Gäubote – Sabine Haarer

 

2016 03 09 Den Menschen helfen die in Not geraten sind

In manch brenzligen Situationen ist ein Schutzpatron gar nicht schlecht