"Mein Privatleben ist gerade sehr reduziert"

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Hartmut Wanner ist derzeit kommissarischer Stadtbrandmeister

Mein Privatleben ist gerade sehr reduziert." Kein Wunder: Seit Oktober vergangenen Jahres ist Hartmut Wanner kommissarischer Gesamtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Herrenberg und somit Stadtbrandmeister. Nachdem der bisherige langjährige Amtsinhaber Werner Widmayer schwer erkrankt war, wurde der 42-Jährige vom Gemeinderat in diese Position gewählt (der "Gäubote" berichtete).

Zu Widmayers Gesamtpaket an Aufgaben gehörte neben den beiden ehrenamtlichen Tätigkeiten als Herrenberger Gesamtkommandant und Herrenberger Abteilungskommandant allerdings auch sein eigentlicher "Brotverdienst": Als Angestellter der Stadtverwaltung kümmerte er sich um das Feuerwehrwesen in Herrenberg. Nach einer Wiedereingliederungsphase, ist Widmayer nun wieder voll ins Berufsleben eingestiegen.

"Bislang war dies alles ein Gesamtkonstrukt", betont Hartmut Wanner. Drei Positionen hatte Widmayer besetzt. Die ehrenamtlichen Funktionen wurden nach Widmayers Rückzug aus der Führungsspitze auf mehrere Schultern verteilt. Neben den Schultern von Wanner auch auf die von Ralf Ruthardt: Er ist derzeit kommissarischer Kommandant der Herrenberger Feuerwehrabteilung.

Für Hartmut Wanner war schon mit der kommissarischen Amtsübernahme klar: Eine Dauerlösung ist sein augenblicklicher Posten als Gesamtkommandant nicht. "Die kommissarische Situation ist eine Übergangslösung für mich. Je kürzer, desto besser für alle Beteiligten", äußert sich Wanner klipp und klar. Überrascht ist er allerdings nicht, dass er nun kommissarisch zum Einsatz kommt: "Als Stellvertreter muss man mit so einer Situation rechnen." Noch ist nicht klar, wie es mit den Posten bei der Feuerwehr weitergeht. Entscheidend dafür aber ist das Organisations- und Strukturgutachten zur freiwilligen Feuerwehr, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. "Darin geht es um die Personalien, inwieweit man an der ehrenamtlichen Personalstruktur Änderungen vornimmt", formuliert Wanner. Also, ob eventuell auch eine hauptamtliche Stelle bei der Freiwilligen Feuerwehr in Herrenberg geschaffen wird. Mit einer Rückmeldung rechnet der kommissarische Stadtbrandmeister Ende Februar.

Bereits als Kind war für den, 1980 nach Oberjesingen gezogenen Wanner, sonnenklar: "Wenn ich erwachsen bin, werd ich Feuerwehrmann." Bei vielen Kindern würde sich das Bestreben legen, bei ihm habe es sich "festgesetzt". Besonders faszinierte ihn immer das Zusammenspiel im Team. "Die Arbeit bei der Feuerwehr ist ja keine Einzel-, sondern eine Teamleistung." Ebenso lockte ihn die Technik - die Lkw oder die Pumpen. Und ein weiterer Punkt macht für ihn die Faszination Feuerwehr aus: "Es ist ein Dienst an der Allgemeinheit."

Immer verfolgte Wanner in Oberjesingen die Übungen der Wehr, und als es endlich möglich war, trat er 1990 - damals war er 17-jährig - der Abteilung in seiner Heimatgemeinde bei. "Ich machte die klassische Feuerwehrkarriere", fasst er lächelnd zusammen. Gestartet ist er mit der Grundausbildung, sattelte diverse Lehrgänge auf, zumal er eine Führungsposition anvisierte. 1996 wurde er zum stellvertretenden Kommandanten der Oberjesinger Abteilung gewählt, von 1998 bis 2008 war er Abteilungskommandant des Teilorts. 2007 übernahm Wanner zusätzlich das Amt des Stellvertreters in der Herrenberger Gesamtwehr, das ihm kürzlich dann auch seine kommissarische Führung bescherte. Mit den Herrenberger Aktivitäten zog er sich 2008 aber aus der Oberjesinger Führung zurück. "Irgendwo musste ich den Rotstift ansetzen", erklärt er. Die "Aufgabendichte" war ihm zu hoch. Denn insbesondere auch beruflich war er "stark eingespannt".

Anders als bei Werner Widmayer liegt Wanners Broterwerb außerhalb des Feuerwehrbereichs und vor allem auch außerhalb von Herrenberg. Der 42-Jährige ist beim Kfz-Zulieferer Bosch in Schwieberdingen beschäftigt. Da er tagsüber bei Einsätzen nicht greifbar ist, musste klar sein, wer während seiner Abwesenheit "den Hut aufhat", formuliert Wanner. So kam es zu einer Zweiteilung: Tagsüber ist bei größeren Einsätzen daher der stellvertretende Gesamtkommandant Andreas Bartholomä - er arbeitet in Herrenberg - zuständig, nachts Wanner.

Die Vereinbarkeit zwischen Wanners ehrenamtlicher Tätigkeit und seinem Beruf ist nicht ganz einfach. Nach der Berufsausbildung zum Industrieelektroniker studierte Wanner elektrische Energietechnik und arbeitet seit 1997 bei Bosch als Entwicklungsingenieur. Sehr hilfreich für sein Ehrenamt sei allerdings die Flexibilität, die ihm der Arbeitgeber zugestehe, so habe er auch keine fixen Anfangszeiten und ein Gleitzeitkonto, wobei es Letzteres "erst einmal zu füllen gilt". Besondere Privilegien, betont er, habe er an seinem Arbeitsplatz nicht. Zum Glück, sagt Wanner, komme er mit relativ wenig Schlaf aus. Das wird dann wichtig, wenn er, statt am Abend ins Bett zu gehen, zu einem Einsatzort fahren muss. "Manchmal ist das schon sehr belastend - man hat am nächsten Tag schließlich auch Herausforderungen in der Firma."

Wanner halten allerdings nicht nur die Einsätze auf Trab: Abends, wenn andere Feierabend haben, hängt er immer noch rund zwei Stunden für die Feuerwehr dran, "da es viele organisatorische Dinge" zu erledigen gibt. Am Wochenende investiert er noch etwas mehr Zeit für sein Ehrenamt. Notfalls nimmt er für die Feuerwehr auch mal Urlaub.

Im Übrigen kommt Wanner auch am Arbeitsplatz nicht ganz ohne die Feuerwehr aus - er ist Mitglied bei der Boschschen Werkfeuerwehr. Doch das Hobby komplett zum Beruf machen und Berufsfeuerwehrler werden? Daran hatte der Oberjesinger kein Interesse. "Ich wollte auf keines von beidem verzichten, denn mein Beruf macht mir auch Freude."

Quelle:
Text: Gäubote – Simone Denu
Foto: Gäubote - Holom

 

2016 02 24 Mein Privatleben ist gerade sehr reduziert
Hartmut Wanner ist begeisterter Feuerwehrmann: "Es ist ein Dienst an der Allgemeinheit"