Reiter und Glocken warnten einst vor Bränden

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Die Gemeinden wurden verpflichtet, eine Feuerwehr einzurichten

Im Sommer 1885 erließ König Karl Friedrich Alexander von Württemberg die Landesfeuerlöschordnung. Damit waren die Gemeinden im Königreich verpflichtet, eine Feuerwehr einzurichten, auszustatten und zu unterhalten.

Die Kommunen, die das bis dahin noch nicht getan hatten, mussten nachziehen. Spätestens mit dem Jahr 1886, also vor genau 130 Jahren, verfügten deshalb alle Kommunen in Württemberg über eine Feuerwehr. In seiner neuen Jahresserie wird der "Gäubote" das Feuerwehrwesen mit seinen vielen, verschiedenen Facetten genauer vorstellen.

"Kein Ort wohl, wo Menschen eh und je wohnten, der nicht irgendwann einmal neben der Wohltat von Feuer und Licht die Schrecken der entfesselten Himmelsgabe durchkostete", so pathetisch die Beschreibung, aus der Chronik der Feuerwehr Herrenberg entnommen, aus heutiger Sicht klingen mag. Sie bringt das auf den Punkt, was bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat: Feuer ist eines der Elemente, das den Menschen seit jeher den größten Schaden zufügt. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Geschichte der Feuerwehr weitaus länger zurückreicht, als "nur" bis zur Gründung der örtlichen freiwilligen Feuerwehren wie man sie auch heute noch kennt und die mit der Verordnung von König Karl zur Pflicht wurde. Einer Verordnung, die auf den 7. Juni 1885 datiert ist und besagt: "Die Gemeinden - bei zusammengesetzten Gemeinden die Gesamtgemeinden - sind verpflichtet, die nach den örtlichen Verhältnissen erforderlichen Einrichtungen für das Feuerlöschwesen unter Berücksichtigung ihrer ökonomischen Mittel zu treffen und zu unterhalten."

Damit wurde per Edikt das zur Vorschrift, was in vielen Städten und Gemeinden bereits Usus war und was seine geschichtlichen Wurzeln in der Zeit der Römer hatte. Bereits für das Jahr 21 vor Christus wird von der Gründung einer "Feuerwehr" gesprochen. Wobei der Begriff als solcher damals noch nicht bestand. Erst im November 1847 kam er auf, wurde er im Zusammenhang mit dem Brand des Stadttheaters dort erstmals von der Karlsruher Zeitung geschrieben und durch die Aufnahme in das Badische Bürgerwehrgesetz im Jahr darauf zu einer feststehenden, amtlichen Bezeichnung. Die Römer indes setzten ab dem Jahr 21 vor Christus Sklaven ein, deren Aufgabe es war, die zuvor teils heftigen Stadtbrände in Rom zu verhindern oder doch zumindest schnellstmöglich zu löschen. Kaiser Augustus initiierte später sogar die Einrichtung eines ersten "Feuerlösch-Corps", in denen es eine klare Aufgabenteilung für die einzelnen Corps-Angehörigen gab.

Vorbeugung wird immer wichtiger
Mit dem Anwachsen der Gemeinden zu Städten und der damit einhergehenden immer dichteren Bebauung, war es unerlässlich, dass die Vorbeugung zum Thema gemacht wurde. Ab dem frühen Mittelalter wurden Feuerlöschverordnungen erlassen, die den Brandschutz erhöhen sollten. Sie zwangen die Menschen dazu, abends ihre Herdfeuer zur vorgeschriebenen Zeit zu löschen und einen Eimer mit Wasser griffbereit zu halten. Sie besagten, wie oft der Nachtwächter seine (Feuer-) Kontrollgänge zu machen hatte oder sie schrieben vor, dass die Städte "Türmer" anzustellen hatten, die von ihren Stuben hoch droben in den Kirchtürmen die Bevölkerung im Brandfall warnen sollten. Durch das Schwenken roter Fahnen, anderer auffälliger Gegenstände oder aber mit Hilfe der Kirchenglocken. Nicht selten hingen auf den Türmen Feuerglocken, die mit ihrem ganz eigenen, unverwechselbaren Klang einen Brand öffentlich machten und die Menschen vor der Gefahr warnten. Feuerreiter wurden benannt, die durch die Gassen ritten, abwechselnd "Feurio" riefen und in ihre Trompete bliesen. Die Mitglieder der Zünfte und Innungen waren verpflichtet, im Brandfall zu den Eimern, zu Stangen und Haken zu greifen. Löschwasserteiche wurden angelegt, allerdings konnte das Wasser darin anfangs nur mit Hilfe einer Eimerkette vom Teich zur Brandstelle transportiert werden. Schläuche gab es erst ab dem 17. Jahrhundert. Wobei die ersten Modelle, aus Leder genäht oder auch genietet, dem Vergleich mit den heutigen Schläuchen nicht einmal annähernd Stand gehalten hätten.

Frankreich war Vorreiter
Dass der Südwesten eine zentrale Rolle spielte bei der Entwicklung des Feuerwehrwesens - auch schon vor dem Erlass von König Karl von Württemberg - kommt nicht von ungefähr. Die Nähe zu Frankreich war ausschlaggebend. Denn dort begann man schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts damit, Feuerwehr-Abteilungen zu gründen. In den meisten Fällen waren sie an die Nationalgarde angeschlossen, in der Hauptstadt Paris hatte sie seinerzeit schon den Status einer "Berufsfeuerwehr". Auf dieser Seite des Rheins griff man die Entwicklung auf, oftmals waren die Wehren zu dieser Zeit an die Turnvereine angegliedert, vor dem Hintergrund eines "sportlichen Wettkampfes" wurde das Leiternsteigen und das Bedienen der Handspritzen geübt und trainiert.

Damit veränderte sich auch die Einsatztaktik im Brandfall. War man zuvor darum bemüht, das Übergreifen der Flammen auf die umliegenden Häuser zu verhindern und konnte man bis dahin das Feuer fast ausschließlich vom Boden aus im Zaum halten, so ging es mit den "Steigern" in die Höhe und man konnte das Feuer aktiv bekämpfen. Handspritzen gehörten bald zur Ausrüstung der Männer, wobei der Name gleich in doppelter Hinsicht Programm war: Sie förderte das Wasser, indem auf beiden Seiten feste angepackt wurde und zudem wurde die Handspritze von den Feuerwehrleuten per Muskelkraft an den Einsatzort gezogen. Manches Mal wurde das gute Stück auch von Pferden gezogen, später dann mittels Traktor fortbewegt. Motoren und selbstfahrende Fahrzeuge bildeten wichtige Meilensteine in der Entwicklung des Feuerwehrwesens. Nachdem man begann, die Hanfschläuche innen mit Kunststoff zu verkleiden, waren sie viel besser für den Wassertransport geeignet.

Alarmierung wird umgestellt
Inzwischen ist man bei der Schlauchherstellung längst auf Polyester umgestiegen und auch in anderen Bereichen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan. Der Ausbau der Wassernetze stellt einen der zentralen Meilensteine dar. Im Jahr 1932 entwickelte die Deutsche Signal-Instrumentenfabrik Max B. Martin, abgeleitet von ihrem Firmennamen, das "Martinshorn". Vor knapp 50 Jahren begann die Umstellung auf eine "stille Alarmierung", die Kameraden wurden mit Funkmeldeempfängern ausgestattet, seit den 1990er Jahren wurde dann damit begonnen, die Sirenen von den Dächern abzubauen.

Rückten die Feuerwehrleute früher in ihren Arbeits- oder Alltagskleidern aus, so ist die Einsatzkleidung - ebenso wie Gerätschaften und Fahrzeuge - längst auf dem aktuellen Stand der Entwicklung. Viel hat sich getan in den 130 Jahren seit dem Erlass der Landesfeuerlöschordnung durch König Karl von Württemberg. Eines aber ist gleich geblieben: Es braucht Freiwillige, die bereit sind, anderen, in Not geratenen Menschen, zu helfen.

Quelle:
Text: Gäubote – Sabine Haarer

 

2016 01 05 Reiter und Glocken warnten einst vor Braenden