Kein normales Jahr

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Die Feuerwehr zieht Bilanz

Alles andere als "normal" verlief das vergangene Jahr für die Herrenberger Feuerwehr. Es waren weniger die insgesamt 222 Alarmierungen, darunter einige ganz besondere Einsätze. Es waren mehr die personellen Veränderungen im abgelaufenen Jahr, die der Gesamtwehr und der Abteilung Herrenberg zu schaffen machten.

Der Rückzug von Werner Widmayer als Gesamt- und Abteilungskommandant war ein gravierender Einschnitt, das wurde bei der Abteilungsversammlung am Samstagabend mehrfach betont. "Gemeinsam haben wir es geschafft und geschultert. Aber ich erlaube es mir, hier und heute zu sagen: Die Zeit seit dem 16. Juli war nicht einfach", brachte es Ralf Ruthardt gleich zu Beginn seines Berichts auf den Punkt. Mehr noch, der kommissarische Abteilungskommandant der Herrenberger Wehr gab unumwunden zu: "Ich komme ganz schön auf dem Zahnfleisch daher." Ähnlich formulierte es Andreas Bartholomä: "Wir sind nicht führungslos, aber manchmal fehlt schon ein Profi mit Erfahrung."

Denn seit dem Sommer 2015 ist bei der Herrenberger Feuerwehr vieles nicht mehr so, wie es Jahre und Jahrzehnte zuvor war: Aus gesundheitlichen Gründen musste Werner Widmayer seine Ehrenämter als Kommandant der Herrenberger Gesamtwehr und der Feuerwehrabteilung Herrenberg aufgeben (der "Gäubote" berichtete). Lediglich als hauptamtlicher Sachbearbeiter für das Feuerwehrwesen ist er für und in der Verwaltung noch tätig. Und für sie ist er "auch wieder da", wie Tobias Meigel sagte. Wie Bartholomä und Edgar Ziegler, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Herrenberg, ging auch der Erste Bürgermeister auf die personellen Veränderungen ein. Er sprach von "unruhigen Zeiten" und von einer "immensen Herausforderung" für die Aktiven der Einsatzabteilung und die Führungsmannschaft. Er sagte aber auch deutlich: "Wir wissen, dass dringend Handlungsbedarf besteht." Und er versprach, dass die Stadt Herrenberg für ihre Feuerwehr eine "neue und verbesserte Personalstruktur" schaffen werde.

Wann genau dies geschieht, konnte Meigel auch auf gezielte Nachfrage eines Feuerwehrkameraden nicht sagen: "So schnell als möglich, mehr kann ich aber nicht sagen." Das Gutachten für die Feuerwehr liege vor, in den nächsten Wochen gebe es daraus "erste Erkenntnisse" und damit einen detaillierten Zeitplan. Meigel nutzte dann die Gelegenheit und dankte Werner Widmayer (GB-Foto/Archiv: gb) für sein Engagement als Abteilungskommandant. "Es ist nahezu unmöglich, Ihre Verdienste in Worte zu fassen", sagte er. "Und deshalb sage ich einfach ein schlichtes, aber sehr starkes Danke." "Portionsweise" wollen die Kameraden Widmayer danken, in einem ersten Schritt überreichte ihm Ruthardt ein Präsent für mehr als 20 Jahre als Mitglied des Abteilungsausschusses.

Das Interesse am Samstagabend galt auch dem Einsatzjahr 2015. Wie Ruthardt ausführte, wurde die Herrenberger Abteilung 222 Mal alarmiert. In 53 Fällen handelte es sich um Fehlalarme. Die Kameraden wurden zu 38 Bränden und fünf Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen gerufen. 37 Mal erbrachte man Hilfeleistungen, 42 Mal leistete man Überlandhilfe. In 17 Fällen waren Ölspuren, in fünf Fällen Hochwasser der Auslöser für die Alarmierung der Abteilungswehr. In besonderer Erinnerung geblieben sind der Großbrand am alten Herrenberger Freibad im Mai 2015. Auch deshalb, weil man aufgrund fehlender funktionierender Hydranten vor Ort eine Wasserleitung vom Schickplatz bis zum Freibad in der Aischbachstraße legen musste. Auch der Gefahrgutunfall im Gültsteiner Industriegebiet war nichts Alltägliches. "Es war einer der größten Umwelteinsätze der letzten Jahre", resümierte Ruthardt angesichts eines Großaufgebots an Einsatzkräften über einen Zeitraum von zwei Tagen hinweg. "Lange beschäftigt" habe ihn persönlich der Brand hinter dem Jugendzentrum "Logo" in der Horber Straße: Weniger wegen der Gefahrensituation an sich, die man "relativ schnell im Griff hatte", sondern eher aufgrund der "Nachbereitung in der Presse". Zusätzlich zu den mehr als 1 200 Einsatzstunden summierten sich die Sicherheitswachdienste für die Herrenberger Kameraden auf 257 Stunden. Neben zwei Hauptübungen und elf Monatsübungen standen 46 Sonderübungen auf dem Dienstplan. Für die Kameraden des Umweltschutzzuges kamen zusätzlich 300 Übungsstunden zusammen, für das "Leistungsabzeichen" standen weitere 30 Übungstermine im Kalender.

Traditionell wurden einzelne Kameraden befördert: Andreas Gründler konnte zum Hauptlöschmeister ernannt werden. Dominik Kirgis ist von nun an Oberlöschmeister, Mario Dähne Löschmeister. Hauptfeuerwehrfrau ist nun Anne Wochele, Hauptfeuerwehrmann sind Georg Kayser, Jochen Maahs, Tobias Steffan und Daniel Widmayer. Zudem gibts eine neue Feuerwehrfrau und drei neue Feuerwehrmänner in der Herrenberger Abteilung. Dies sind: Vanessa Kaiser, Kim Bauer, Christian Hauser und Jan Schmid.

Quelle:
Text: Gäubote – Sabine Haarer