Bei der Großübung geht alles ganz schnell

Geschrieben von Andreas Widmayer

Oberjesingen: Fünf Feuerwehren aus Herrenberg und Deckenpfronn sowie Helfer des Roten Kreuzes proben den Ernstfall

"Gebäudebrand Altenhausgasse 6, Oberjesingen, mehrere Personen 2BI DL" - so lautet das Alarmstichwort für den Vollalarm bei der Feuerwehr Oberjesingen. Übersetzt bedeutet das: Brand zwei innerorts, Drehleiter wird benötigt". Eine Herausforderung für die Floriansjünger um Abteilungskommandant Markus Reich. Bei der Hauptübung Nord demonstrierten fünf Wehren gemeinsam mit dem DRK ihre Zusammenarbeit.

Eine enge Straße mitten im Ort, Häuser und Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft. Rauch steigt aus der Eingangstür und den Fenstern des ersten Stockwerkes in der Altenhausgasse. Durch eine Verpuffung im Ölofen ist ein Brand entstanden, der sich durch die Holzbauweise des Hauses sehr schnell ausbreiten und auf das Dachgeschoss sowie die Nebengebäude übergreifen kann. Im Haus werden mindestens vier verletzte Personen vermutet. Das ist die "angenommene Lage", die bei der Alarmierung durch die Leitstelle Böblingen durchgegeben wird.

Die Freiwillige Feuerwehr Herrenberg mit den Abteilungen Oberjesingen, Kuppingen und Affstätt sowie die Feuerwehr Deckenpfronn nehmen mit dem DRK-Ortsverein Kuppingen-Oberjesingen an der Hauptübung teil. Von der Alarmierung der Einsatzkräfte um 15 Uhr bis zum ersten Eintreffen am Brandort vergehen etwa sieben Minuten. Damit alles schnell und reibungslos vonstattengeht, bedient sich "die Blaulichtfraktion", wie der kommissarische Kommandant der Gesamtwehr Herrenberg, Hartmut Wanner, Feuerwehr, DRK und Polizei nennt, der entsprechenden Codes. Mit nur einer Zahl und vier Buchstaben, also 2BI DL, weiß jeder der Helfer, was gemeint und somit was zu tun ist.

Zunächst rückt das Löschfahrzeug acht Oberjesingen (LF 8) zur Menschenrettung, Erkundung und Brandbekämpfung an. Es fährt am Gebäude vorbei, um Platz für das DLK 23/12 zu machen. Die Mannschaft erstellt einen Rettungstrupp, der ins Haus eilt. Alles geht ganz schnell. Männer mit Atemschutzmasken bahnen sich mit Schläuchen einen Weg zum Brandherd. Die ganze Ausrüstung wiegt somit an die 40 Kilogramm und muss Temperaturen von mehreren Hundert Grad Celsius standhalten. Zur Unterstützung der Löschmaßnahmen von außen und zur Personenrettung trifft sodann der DLK 23/12, das Fahrzeug mit Drehleiter und Korb, Nennrettungshöhe 23 Meter und Nennausladung 12 Meter ein. Mit äußerster Sorgfalt platziert der Fahrer das Fahrzeug in der engen Straße und muss dabei sowohl den Winkel der Drehleiter zum Haus, als auch den sicheren Standort des Wagens im Auge behalten. Nur dann können die Sicherungsstützen, die den festen Stand des DLK23/12 gewährleisten, ausgefahren werden.

Die drei Leichtverletzten können mit der Drehleiter aus dem zweiten Obergeschoss gerettet werden. Die Schwerverletzten bringen die Männer mit den Atemschutzmasken in Tragen aus dem Haus. Nun wird die Brandbekämpfung außen von oben mit komplett ausgefahrener Drehleiter und im Inneren des Wohnhauses vorgenommen. Hierbei tragen die Männer trotz prasselnder Wassermassen Sorge dafür, dass die Häuser der Anwohner nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die komplette Übung findet in Echtzeit statt. Vor Ort sind 42 Feuerwehrleute in sechs Einsatzfahrzeugen sowie zehn Helfer des DRK Kuppingen-Oberjesingen mit vier Rettungswagen. Der Einsatz wird von Einsatzleiter Rolf Hahn von der Feuerwehr Herrenberg vom Einsatzwagen aus geleitet, jeder Schritt wird mit Zeitangabe sorgfältig ins Einsatztagebuch eingetragen.

Die Lagekarte dient dem Einsatzleiter ebenso als Hilfe für den potenziellen Austausch der Einsatzkräfte. Laut Eintrag wurde um 15.23 Uhr die dritte Person gerettet. Um 15.43 Uhr kommt die Rückmeldung aus dem Gebäude: Fünf Verletzte, davon drei leicht- und zwei schwer verletzt. Sie werden bis zur Transportfähigkeit vor Ort versorgt. Hier wird der Unterschied zwischen "gerettet" und "geborgen" deutlich: Gerettet werden betroffene Personen oder Verletzte. "Geborgen" werden Sachwerte oder Tote. Um 16 Uhr, 45 Minuten nach Eintreffen aller Rettungskräfte, ist der Brand unter Kontrolle.

Disconebel und Schminke

Bei der Übung ist der Rauch "Disconebel" und die Wunden der Personen sind geschminkt. Es ist niemand in Gefahr. Damit im Ernstfall alles funktioniert, ist es wichtig, dass gemeinsam geübt wird, um dann, wenn Hilfe benötigt wird, schnell und umsichtig handeln zu können.

"Die Gesamtwehr Herrenberg hatte im Jahr 2015 deutlich über 200 Einsätze. Zum Teil im Stadtgebiet, zum Teil bis zur Autobahnanschlussstelle Rottenburg", erklärt Hartmut Wanner. Es sei wichtig, eine Tagesverfügbarkeit der Feuerwehrmänner bei Einsätzen zu gewährleisten. Daher werden die Nachbarwehren ebenfalls alarmiert. Dies sei zwischenzeitlich vor allem an Arbeitstagen unter der Woche von höchster Wichtigkeit.

Quelle:
Text: Gäubote - Petra Gieseler
Foto: Gäubote - Bäuerle

 

2016 03 14 Bei der Grossuebung geht alles ganz schnell

Mit der Drehleiter rückt die Feuerwehr bei der Übung dem vermeintlichen Brand zu Leibe