Spiele-Spaß zur Pflege der Kameradschaft

Geschrieben von Andreas Widmayer
Kuppingen: Örtliche Wehr trägt Highland-Games auf Feuerwehr-Art aus
 
Saugschlauch, Spreizer und Säge sind nicht nur im Feuerwehreinsatz dienlich, sondern können auch für einen unterhaltsam-originellen Wettkampf zweckentfremdet werden. Das bewies die Feuerwehrabteilung Kuppingen am Samstag mit ihren ersten High- land-Games. Zwölf Mannschaften traten in Disziplinen wie dem Saugschlauch-Weitwurf oder dem Baumscheiben-Sägen gegeneinander an.
 
In Trauben stehen die Mannschaften der Wehren Kayh und Mötzingen um die beiden übermannshohen Jenga-Türme, ein paar Feuerwehrmänner halten das Gebilde, andere klopfen gegen die einzelnen Holzklötzchen. Welche lassen sich lösen? Und sollte man lieber die Blöcke aus der Mitte oder die vom Rand entfernen? Die beiden Wehren testen unterschiedliche Strategien. Das Vorgehen der Mötzinger, die systematisch die mittleren Holzelemente entfernen, erweist sich zunächst als sinnvoller, verleiht dem Turm Stabilität. Doch nun sind keine Klötze mehr übrig und man muss notgedrungen einen Quader von außen herausziehen - ein Verstoß gegen die Gesetze der Statik, die Stapelei fällt eindrucksvoll in sich zusammen.
 
Damen feuern an
Nebenan mühen sich die Feuerwehrleute derweil mit einer Säge doppelseitig durch einen Baumstamm. "Hopp, hopp, hopp", feuern zwei Damen aus dem Publikum sie an - und schon rasselt die Säge zackiger durchs Holz. Auch der Minibagger ist ein Publikumsmagnet: Mit ihm gilt es, unter Zeitdruck drei Holzblöcke aufeinanderzustapeln. "Es ist wie im richtigen Einsatz: Man darf sich nicht zu viel Zeit lassen, aber Hektik ist Gift", kommentiert Andreas Widmayer, Sprecher der Herrenberger Wehr. Zuvor hatten die Feuerwehrleute bereits verschiedene Techniken getestet, um beim Saugschlauch-Weitwurf möglichst viele Meter zu erzielen. Sichtlich Spaß hatten die Floriansjünger auch am Spreizer, mit dem sie fünf Eier zu versetzen hatten. Fingerspitzengefühl und ein ruhiges Händchen waren gefragt - genauso wie im Einsatz, wenn die Wehren mit dem Gerät Verletzte bergen. Später galt es, mit einem Saugschlauch auf dem Rücken 15 Liter Wasser von A nach B zu tragen.
 
Insgesamt neun Spiele waren es, in welchen sich die angemeldeten Wehren aus Ehningen, Herrenberg, Haslach, Gültstein, Jettingen, Oberjesingen, Nufringen, Kayh, Mötzingen, Mönchberg und vom Klinikum Nordschwarzwald miteinander maßen. Die beste Mannschaft erhielt jeweils zwölf Punkte, die zweitbeste elf, und so weiter.
 
Hintergrund für die Etablierung der schottisch inspirierten Wettkämpfe ist die Tatsache, dass das Interesse am traditionellen Kuppinger Kuppel-Cup geschwunden sei, erzählt Mit-Initiator Jürgen Heselschwerdt: "Im vergangenen Jahr meldeten sich nur zwei Mannschaften an, so dass wir stattdessen eine Schauübung gemacht haben." Der Kuppinger Wehr bedeutet die Kameradschaft unter den Feuerwehren jedoch viel. "Wir wollen sie pflegen, das Miteinander ist uns wichtig", sagt Abteilungskommandant Michael Haarer. Also musste ein neues Konzept her - und Heselschwerdt hatte da auch schon einen Einfall: Warum nicht die schottischen Highland-Games adaptieren? "Wir wollten das Ganze aber mit feuerwehrtechnischen Gerätschaften umsetzen", erläutert der Ehrenkommandant. Das klassische Baumstamm-Werfen modeln die Kuppinger so kurzerhand zum Saugschlauch-Weitwerfen um.
 
Im eigens einberufenen Arbeitskreis Spiele war beim Ertüfteln der Wettkämpfe folglich Kreativität gefragt. Von der Idee bis zur Fertigstellung der Spielelemente verging ein halbes Jahr. Ob es die Staffelei fürs Zielschießen ist oder die Vorrichtung für die Ostereier - all diese Kreationen ersann und verwirklichte das fünfköpfige Gremium eigens für den Wettbewerb. Mal verlangen sie den Teilnehmern Geschicklichkeit, mal Kraft, Geschwindigkeit oder eine gute Teamarbeit ab. "Das Saugschlauch-Weitwerfen war am anspruchsvollsten, aber als Schreiner hat mir auch das Baumscheiben-Sägen gefallen", erzählt Frank Neumann von der Werkfeuerwehr Klinikum Nordschwarzwald. Mit seiner Mannschaft ist der Kommandant nicht zum ersten Mal in Kuppingen, schon beim Kuppel-Cup war man mit dabei. "Hier ist es immer schön", begründet dies ein Teammitglied, und die Kameraden erzählen, was sie immer wieder ins Dörfchen der Mondfänger führt: Spiel, Spaß, Kameradschaft, Teamgeist.
 
Umgekehrt freuen sich die Veranstalter über die große Resonanz: "Alle sechs Herrenberger Abteilungen machen mit, und auch andere Feuerwehren aus dem ganzen Kreis beteiligen sich", stellt Michael Haarer fest. "Unser Ziel ist erreicht."
 
Petrus zeigte sich wohlgesonnen und schickte "bestes Bierwetter". Nach einer solchen Premiere steht der Fortsetzung der Highland-Games nichts im Wege. "Wir überlegen, die Spiele im nächsten Jahr auch für Privatleute und Vereine zu öffnen, um so nicht nur die Feuerwehr-Kameradschaft, sondern auch die Ortsgemeinschaft zu stärken", verrät der Kommandant.
 
Nach der Preisverleihung - die Mannschaft Jettingen I erringt den ersten, Jettingen II den zweiten und Kayh den dritten Platz - lassen die Floriansjünger den Abend aber zunächst einmal beim traditionellen Schirafest ausklingen. Am nächsten Morgen erwartet sie bereits die Mondfänger-Hocketse, wo sich traditionell alles um den "Ochs am Spieß" dreht. Aber auch die Vorführung eines Fettbrands lässt sich die Kuppinger Wehr nicht nehmen. "Wir wollen auf die Gefahren hinweisen, die vielen nicht bewusst sind, zeigen, was die Feuerwehr leistet und so ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit machen", sagt Haarers Stellvertreter Alexander Schill. Nachwuchs könne man in der 43 Mann zählenden Wehr nämlich immer gut gebrauchen. "Wir sind offen für jedes Alter und jedes Geschlecht", betont der Kommandant und zählt auf, weshalb sich eine Beteiligung lohnt: Feuerwehr bedeute Kameradschaft, Hilfe für den Nächsten, Schutz der Bevölkerung, Anerkennung und Gebrauchtwerden. "Außerdem ist es ein Kindheitstraum vieler Leute", schließt Haarer. "Den kann man verwirklichen."
 
2017 08 28 Spiele Spass zur Pflege der Kameradschaft
Hier ist Augenmaß und Gefühl gefragt: Mit dem Spreizer werden Eier transportiert
 
Quelle:
Text: Gäubote - Nadine Dürr
Foto: Gäubote - Bäuerle