Ersatzfahrzeug wohl günstiger als das vorhandene

Geschrieben von Andreas Widmayer
Herrenberg: Die Stadtverwaltung möchte eine Vorführ-Drehleiter für die freiwillige Feuerwehr kaufen
 
Fast 20 Jahre hat die Drehleiter der Herrenberger Feuerwehr auf dem Buckel. Jetzt steht eine vorgeschriebene Inspektion an, nach der das Gerät eigentlich noch fünf Jahre betrieben werden sollte - so lautete der bisherige Plan. Allerdings wird diese Inspektion deutlich teurer als gedacht, weshalb die Stadt es als wirtschaftlicher erachtet, eine Ersatz-Drehleiter anzuschaffen.
 
Bislang ging man im Herrenberger Rathaus davon aus, dass diese gesetzlich geforderte Inspektion mit rund 100000 Euro zu Buche schlagen würde, weshalb dieser Betrag auch im laufenden Haushalt eingestellt ist. Jetzt stellte sich allerdings he raus: Die Untersuchung wird wohl doppelt so teuer - wenns denn reicht. "Wir hatten in letzter Zeit immer wieder Reparaturen", führte Herrenbergs Erster Bürgermeister Tobias Meigel ins Feld, der in Abwesenheit von Oberbürgermeister Thomas Sprißler die Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstagabend leitete. Die Befürchtung, die dabei durchschimmerte: dass die Inspektion noch weitere Kosten nach sich ziehen könnte, um die Drehleiter - die korrekte Bezeichnung lautet Drehleiter mit Korb 23/12 (DLK 23/12) - so auf Vordermann zu bringen, dass sie noch fünf weitere Jahre möglichst sicher ihren Dienst versehen könnte. Der Leiter des Bauverwaltungsamts, Rainer Stingel, und seine Mitarbeiter nahmen daraufhin ihre Stifte in die Hand und rechneten nach. Stingel: "Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass eine Ersatzbeschaffung die wirtschaftlichere Methode ist."
 
Ein nigelnagelneues Fahrzeug allerdings würde erst 18 Monate nach der Bestellung zur Verfügung stehen - zu spät angesichts der Tatsache, dass ohne die teure Inspektion die Betriebserlaubnis der bestehenden Drehleiter am 1. Dezember 2017 erlösche. Mal davon abgesehen, dass die Stadt mit 800000 Euro für ein solches fabrikneues Gerät einen gesalzenen Betrag auf den Tisch blättern müsste. Allerdings sind die Anforderungen an das Einsatzfahrzeug angesichts enger Altstadtgassen in der Gäustadt auch überdurchschnittlich hoch: Die Fahrzeugbreite darf 2,4 Meter nicht überschreiten, der Radstand maximal 4,2 Meter und der Wendekreis höchstens 17,6 Meter betragen.
 
In der Verwaltung ersann man deshalb eine Lösungsalternative: Ein Vorführfahrzeug soll her, und zwar eines, das nicht älter ist als 18 Monate und das weniger als 20000 Kilometer auf dem Tacho hat. Der Grund ist simpel: Nur wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Anschaffung förderfähig. Bei angenommenen Beschaffungskosten von 700000 Euro würde das Regierungspräsidium Stuttgart 224000 Euro übernehmen, womit noch 476000 Euro an der Stadt hängenblieben.
 
Unterm Strich würde diese Lösung bei einer 20-jährigen Nutzungsdauer der Drehleiter den jährlichen Haushalt mit knapp 24000 Euro belasten. Die bestehende Drehleiter der Inspektion zu unterziehen und aufzumöbeln würde demgegenüber laut Rainer Stingel auf 40000 Euro jährlich kommen.
 
Hermann Horrer, Sprecher der CDU-Gemeinderatsfraktion, forderte: "Wir brauchen eine Drehleiter, die qualitativ besser ist als die bisherige." Seiner Ansicht nach seien 20 Jahre kein wirklich hohes Alter für ein solches Gerät. Die angesprochenen "relativ vielen Reparaturen irritieren mich, da ist meiner Meinung nach eine gewisse Auffälligkeit da". Dem allerdings widersprachen Meigel und Stingel. Der Erste Bürgermeister Herrenbergs dazu: "In einer solchen Drehleiter ist wahnsinnig viel Technik wie Elektronik oder Hydraulik verbaut." Stingel ergänzte: "Das Fahrzeug ist mit 140 Einsätzen im Jahr stark beansprucht."
 
Vor dem Kauf eines solchen Vorführfahrzeugs müsste eine europaweite Ausschreibung erfolgen. Dennoch rechnet Tobias Meigel nicht mit einer Angebotsflut: "Es gibt nicht viele Fahrzeuge, die die Anforderungen für die engen Kurven in unseren Altstadtgassen erfüllen."
 
In seiner öffentlichen Sitzung am Dienstagabend, 4. Juli, in der Alten Turnhalle soll der Gemeinderat der Stadt über den Verwaltungsvorschlag eine Entscheidung fällen.
 
2017 06 29 Ersatzfahrzeug wohl guestiger als das vorhandene
Die Herrenberger Drehleiter im Übungseinsatz am Ärztehaus in der Hindenburgstraße
 
Quelle:
Text: Gäubote - Holger Weyhmüller
Foto: Gäubote - Holom