Die wahren Helden trotzen jeder Hitze

Geschrieben von Andreas Widmayer
Gültstein: Traditionelle Zwiebelkuchen-Hocketse der Feuerwehr und des Musikvereins lockt die Besucher
 
Vor dem Gültsteiner Feuerwehrhaus liegen die Noten der Polka in der Sommerluft, die Blasinstrumente glänzen auf der schattigen Bühne. Musikverein und Feuerwehr haben sich ins Zeug gelegt. Sie bieten gemeinsam bei ihrer langen Hocketse Zwiebelkuchen und stimmige Musik.
 
Am Straßenrand steht ein Feuerwehrauto, vor dem Gerätehaus und im Gerätehaus stehen die Garnituren. Die Gültsteiner Polkamusikanten haben auf einer kleinen Bühne Platz genommen, die dem Feuerwehrhaus gegenübersteht; im Rücken der Musikanten leuchtet weiß auf blauem Grund der Namenszug des Musikvereins. Seit 30 Jahren nun veranstaltet er gemeinsam mit der freiwilligen Feuerwehr des Ortes die Zwiebelkuchen-Hocketse.
 
Die Backöfen laufen auf Hochtouren
Die Feuerwehrleute stehen hinter der Theke und versorgen die Gäste bei heißen Temperaturen mit den Flüssigkeiten, die den Durst löschen - und die Mitglieder des Musikvereins kümmern sich um die Verpflegung. Wenige Hundert Meter weiter, näher am Kern des Ortes, werden die Zwiebelkuchen gebacken, schwitzen zwei tapfere Männer zwei ganze Tage lang ohne jede Ablösung im Backhaus vor den Ofenlöchern.
 
Horst Schmid und Werner Zeeb heißen die Helden mit den langen Backschiebern in der Hand. "Übers ganze Wochenende werden wir 400 Kuchen backen", sagen sie. Am Samstag sollen es 170 sein, am Sonntag dann, an dem die Luft auch vor dem Backhaus den Schweiß aus den Poren treibt, nochmals 230 Kuchen. "Es geht.
 
Mit Sprudel und Bier werden wir das schon schaffen", sagen die beiden Bäcker knitz. Im Zimmer vor der Ofenstube schaffen indes sechs Frauen. Unter ihnen sind Petra Rinkert, Steffie Henschke und Birgit Heidlauff. Ihre Aufgabe ist es, den Kuchen ofenfertig zu bereiten. Die übrigen Frauen möchten lieber anonym backen. Alle walzen sie den Teig aus, streichen Zwiebelmasse auf ihn, rühren Schmalz ein, streuen Speck auf. Die gefüllten Kuchenformen stehen bereit auf den Regalen; die fertig duftenden, weit aufgegangenen Kuchen werden von den Männern durchgereicht und schnell sehr eilig verladen, transportiert - denn droben, bei der Feuerwehr, ist der Appetit auf diese Speise riesig.
 
Bis gegen 19.30 Uhr werden die Polkamusikanten spielen, dann tritt der Musikverein Horb-Dettingen auf - in jährlichem Wechsel besuchen die Gültsteiner befreundete Vereine. Zu vorgerückter Stunde, wenn die Blasmusik zu laut für alle freundlichen Nachbarn wird, geht die Party dann an der Bar mit Musik aus der Konserve weiter - und einem offenen Ende.

Der Sonntag bringt zuerst den Mittagstisch: Spanferkel und Schnitzel wandern auf die Teller, dann auf die Tische und gehen schließlich den Weg genussvoll zufriedenen Verdauens. In früheren Jahren war das Ferkel ein gemischter Braten, doch Abwechslung muss sein.
 
Die Schlossberghexen spielen auf, die kleine Besetzung der Stadtkapelle Herrenberg, danach greift die Jugendkapelle Gültstein zu den Instrumenten, dann sitzt der Musikverein Nufringen auf der Bühne. Das musikalische Abendprogramm bestreiten die Gastgeber selbst, 35 Musiker stark. Sie bieten Unterhaltungsmusik, Stimmungsvolles, Traditionelles, Volkstümliches und Mitreißendes. "Auch konzertante Blasmusik kann sich in diesen Reigen mischen", sagt Wolfgang Oechsle, Mitglied des Vorstands des Musikvereins. Doch zunächst heißt es, die Besucher kulinarisch glücklich zu machen.
 
2017 06 16 Die wahren Helden trotzen jeder Hitze
Die drei Männer vom Grill haben alles im Griff
 
Quelle:
Text: Gäubote - Thomas Morawitzky
Foto: Gäubote - Schmidt