Geregelte Bahnen nach dem "Ausnahmezustand"

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Feuerwehrleute rücken mitten in der Versammlung zu einem Einsatz aus

"Die Feuerwehr kostet Geld, aber wir wollen auch investieren. Wir hören Jahr für Jahr und spüren fast täglich, dass das Geld gut angelegt ist" betonte Oberbürgermeister Thomas Sprißler bei der Jahreshauptversammlung der Herrenberger Gesamtwehr in der Gültsteiner TV-Halle. Die Wehr befand sich zuletzt im "Ausnahmezustand", wie der kommissarische Kommandant Hartmut Wanner betonte.

Gleich zu Beginn der Versammlung kam Hektik auf, als plötzlich der Alarm beim stellvertretenden Kommandanten André Weiß los ging und ein gemeinsamer Trupp aus den Abteilungen Herrenberg und Gültstein zu einem Kaminbrand in die Herrenberger Belchenstraße ausrückte. Ein Sachschaden entstand dort nicht.

Bei insgesamt 246 Einsätzen, darunter 74 Brandeinsätzen, 120 technischen Hilfeleistungen sowie 52 Fehlalarmen konnten sechs Tiere und 30 Personen gerettet werden, acht Personen verstarben trotz der schnellen Hilfe der Feuerwehr. Den Jahresbericht für das abgelaufene Jahr verlas Hartmut Wanner, der nochmals betonte, dass sich die Wehr in den letzten anderthalb Jahren im "Ausnahmezustand" befand. Dennoch funktionierte die Feuerwehr, und das hohe Niveau der Ausbildung trug einen Teil dazu bei. Um selbiges halten und verbessern zu können, nahmen viele der 273 aktiven Mitglieder an verschiedenen Ausbildungen und an der Landesfeuerwehrschule teil, dabei wurden beispielsweise sechs Mal die Grundausbildung abgeschlossen und neun neue Atemschutzgeräteträger ausgebildet. Mittlerweile gibt es bei der Gesamtwehr 193 Atemschutzgeräteträger, 138 Personen mit einem Führerschein der Klasse C oder CE sowie 67 Gruppen- und 23 Zugführer. Zudem gab es 151 Monatsübungen sowie 75 Sonderübungen. Auch technisch rüstete die Wehr 2016 auf, ein Tragkraftspritzenfahrzeug TSF-W für die Kernstadt wurde 2016 in Auftrag gegeben, die Lieferung ist 2017 noch zu erwarten. Ein neues Löschfahrzeug LF10 wird voraussichtlich in der Jahresmitte an die Oberjesinger Abteilung ausgeliefert. Alle Abteilungen haben zudem Laptops mit einer neuen Verwaltungssoftware erhalten. "Die Wettkampfgruppe Kuppingen konnte unter 84 teilnehmenden Gruppen bei der deutschen Meisterschaft in Rostock den zweiten Platz erreichen", erinnerte Wanner. Eine Gruppe legte das Leistungsabzeichen in Gold, zwei Gruppen das Leistungsabzeichen in Bronze ab. Zudem nahm eine Abteilung aus Herrenberg mit dem LF12, Baujahr 1932, an den Festivitäten zum 150-jährigen Bestehen der Münchener Feuerwehr teil.

Unter der hauptamtlichen Leitung von Jürgen Vogt und seinem Stellvertreter André Weiß kann die Wehr nun gemeinsam durchstarten. Kassier Harald Böß plant für 2017, dass die Ausgaben von den Einnahmen gedeckt werden - im abgelaufenen Jahr wurde dies mit einem kleinen Plus übertroffen. Stellvertretend für den aus dem Amt des Jugendleiters ausgeschiedenen Dominik Kirgis verlas Jens Gründler als sein Amtsnachfolger den Bericht. Mittlerweile 32 Jugendliche sind bei der Jugendfeuerwehr aktiv und üben im 14-tägigen Rhythmus das Handwerk. Die Jugendfeuerwehr bildet ein wesentliches Fundament für die Herrenberger Wehr - und das seit mittlerweile 25 Jahren. "Das wird natürlich gefeiert" ließ Gründler verlauten.

Für das laufende Jahr steht eine Fortschreibung des Bedarfsplans auf der Agenda der Wehr, zudem werden neue Uniformen sowie Branddiensthandschuhe angeschafft. Auch Thomas Sprißler sowie Baubürgermeister Tobias Meigel bekamen eine neue Garderobe - zwei Einsatzjacken der Feuerwehr. Die anstehenden Wahlen wurden in der Tagesordnung ein wenig nach hinten verschoben, so dass die ausgerückten Kameraden ebenfalls mit abstimmen konnten. Auf Hartmut Wanner als ehrenamtlicher stellvertretender Kommandant entfielen 127 von 152 Stimmen. Klaus Schneider rückte in den Gesamtausschuss nach. Harald Böß ist nun Kassenprüfer, das Amt des Kassiers hat Jochen Schopp inne, Alexander Schill ist Schriftführer.

Gold für Andreas Bartholomä

Einen wesentlichen Teil des Abends nahmen Ehrungen in Anspruch. 25 Dienstjahre haben Michael Kegreiß, Marc Langer und Benjamin Steinrücken (alle Herrenberg) geleistet. 40 Dienstjahre haben Otmar Notter aus Kayh sowie Rolf Marquardt (Kuppingen) hinter sich. Hartmut Wanner sowie Alexander Hübner wurden für ihre Leistungen als kommissarischer Kommandant und dessen Stellvertreter belohnt, Reinhold Kaiser wurde zum Ehrenmitglied der Herrenberger Wehr ernannt. Auch Kreisbrandmeister Guido Plischek bekam ein Präsent für die Unterstützung in der letzten Zeit, wenngleich er seine Hilfe als "Selbstverständlichkeit" bezeichnete. Andreas Bartholomä wurde für 18 Jahre Amtszeit als Vize-Kommandant zum Ehrenmitglied der Gesamtwehr ernannt. Zudem bekam er die Ehrenmedaille in Gold des Landesfeuerwehrverbands verliehen - eine Auszeichnung, die es nur einmal pro Jahr für den Kreis Böblingen gibt.

"Trotz aller Widrigkeiten hat das Team funktioniert und zusammengehalten" betonte Sprißler in seinen Grußworten. Kreisbrandmeister Plischek, der die Grußworte für alle Blaulichtorganisationen übernahm, fügte hinzu: "Wir können heute einen Haken dran machen. Es wird noch etwas dauern, aber das sind zwei herausragende Leute, die wir hier haben. Es ist einfach ein Entwicklungsprozess."

2017 03 20 Geregelte Bahnen nach dem Ausnahmezustand

Ehrungen bei der Gesamtwehr: Hinten von links Guido Plischek, Thomas Sprißler, Michael Kegreiß, Alexander Hübner, Hartmut Wanner, Jürgen Vogt, vorne von links Markus Priesching, Andreas Bartholomä, Reinhold Kaiser, Benjamin Steinrücken, Otmar Notter, Marc Langer, Markus Hübner

Quelle:
Text: Gäubote - Verena Bayer
Foto: Gäubote - Bäuerle