"Wir sind ein starkes Team"

Geschrieben von Andreas Widmayer

Kreis Böblingen: Mitglieder der Führungsgruppe unterstützen und entlasten die Einsatzleiter

"Wir sind ein starkes Team und stehen mit Rat und Tat dem Einsatzleiter zur Seite." Kurz und knackig beschreibt dieser Leitsatz das Selbstverständnis und die zentrale Aufgabe der Feuerwehr-Führungsgruppe des Landkreises Böblingen. Dieser gehören mehr als 40 Zug- und Verbandsführer von Wehren aus dem gesamten Kreisgebiet an, die allesamt eines garantieren: die kompetente Unterstützung und Entlastung des Einsatzleiters vor Ort im Falle von größeren Schadenslagen.

Wobei die Betonung auf "Unterstützung" liegt, das heben sowohl Kreisbrandmeister Guido Plischek wie auch Feuerwehr-Kreisverbandsvorsitzender Markus Priesching hervor. "Die Kameraden vor Ort sollen nicht das Gefühl haben, dass sie fremdbestimmt werden", sagt Markus Priesching. "Oder dass wir ihnen gar ihre Aufgaben wegnehmen wollen." Ganz im Gegenteil. Sofern es sich um keine Großschadenslage handelt - bei der die Einsatzleitung in jedem Fall in die Zuständigkeit von Kreisbrandmeister Guido Plischek fällt - laufen auch nach dem Eintreffen der Führungsgruppe alle Fäden beim Einsatzleiter vor Ort zusammen. Er sagt, was getan werden muss. Er kann, darf und soll den Mitgliedern der Führungsgruppe Aufgaben zuweisen oder auch einzelne Aufgabenbereiche an sie abgeben. "Wenn es drauf ankommt, rollen wir auch Schläuche aus", sagt Rainer Just, in Personalunion Kommandant der Feuerwehrabteilung Sindelfingen, stellvertretender Gesamtkommandant der Sindelfinger Wehr und stellvertretender Kreisbrandmeister. "Wir wurden als Abschnittsleiter eingesetzt, haben nach Verkehrsunfällen schon zusammen mit der Polizei das Opfer abgeschirmt, nach einem Brand den Bewohnern der Nachbarwohnung ihre Medikamente gebracht oder bis zum Eintreffen der Notfallseelsorger die Betroffenen oder ihre Angehörige betreut", nennt Rainer Just weitere Beispiele aus der Praxis. "Wir sind sehr flexibel einsetzbar und können bei Bedarf alle Aufgaben übernehmen", bringt es Schönaichs Kommandant Thomas Rebmann auf einen einfachen Nenner. Oder wie es Markus Priesching formuliert: "Wir sind in erster Linie Dienstleister und unterstützen den Einsatzleiter bei seiner Arbeit."

"Wir" meint die mehr als 40 Einsatzkräfte, die zur Führungsgruppe des Landkreises zählen. Allesamt erfahrene Feuerwehrleute, die seit vielen Jahren ihre Arbeit ausüben und inzwischen in Führungsrollen geschlüpft sind oder diese über einen langen Zeitraum ausgefüllt haben. So zählen unter anderen Werner Widmayer (Herrenberg), Andreas Dongus (Deckenpfronn), Adolf Mast (Bondorf), Gunter Seeger (Jettingen), Rolf Hahn (Gültstein), Wolfgang Sommer (Mötzingen) und Ewald Eipper (Gäufelden) von der ersten Stunde an zur Führungsgruppe. Die Ausbildung zum Zugführer ist eine Voraussetzung, welche Neumitglieder mitbringen müssen. Die Ausbildung zum Verbandsführer wird gewünscht und wer Mitglied der Führungsgruppe wird, sollte diese möglichst schnell auf der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal absolvieren. Darüber hinaus gibt es aber ein weiteres, vielleicht noch viel wichtigeres Kriterium: "Es muss menschlich einfach passen", wie Thomas Rebmann sagt. Das gilt für die Führungsgruppe, das gilt erst recht für die Lenkungsgruppe. Während die Führungsgruppe im Landkreis Böblingen auf eine lange "Geschichte" zurückblicken kann und inzwischen längst ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert hat, steckt die Lenkungsgruppe im Vergleich dazu noch in den Kinderschuhen. Kreisbrandmeister Guido Plischek hat das sechsköpfige Team nach seinem Dienstantritt im Jahr 2009 installiert. "Es war mein Wunsch, dass wir dieses Gremium bilden und die Kommandanten haben die Mitglieder ausgewählt", sagt der Böblinger Kreisbrandmeister. So wurden neben Rainer Just und Thomas Rebmann auch deren Kommandantenkollegen aus Ehningen und Weil der Stadt, Thomas Feuchter und Jürgen Widmann, zu Mitgliedern der Lenkungsgruppe bestimmt. Markus Priesching, Kommandant der Gärtringer Gesamtwehr und zugleich Verbandsvorsitzender komplettiert die Runde.

Deren Aufgabe ist es in erster Linie, die "Geschicke der Feuerwehren im Landkreis zu lenken" und "die Feuerwehren im Kreis zukunftsfähig weiterzuentwickeln" wie Guido Plischek sagt. So wurde beispielsweise die Alarmierungs- und Ausrückeordnung überarbeitet und vereinheitlicht, in der Lenkungsgruppe wurde festgelegt, wie viele Kräfte und welche Sonderfahrzeuge bei welchem Alarmstichwort ausrücken müssen. Die Umsetzung hingegen ist Sache der Verantwortlichen vor Ort. Sie bestimmen selbst, welche Wehr im Falle eines Einsatzes zur Überlandhilfe und von wo beispielsweise die Drehleiter angefordert wird. Ganz allgemein fungiert die Lenkungsgruppe als Schnittstelle: "Wir geben dem Kreisbrandmeister eine erste Rückkopplung, ob und wie sich bestimmte Überlegungen realisieren lassen", sagt Rainer Just. Von zentraler Bedeutung sei deshalb der bunte Mix in der Lenkungsgruppe. "Was für mich in Sindelfingen mit einer Gruppe Hauptamtlicher machbar ist, ist vielleicht in einer kleineren Wehr, die nur über ehrenamtliche Kräfte verfügt, nicht zu realisieren." Ganz bewusst sind im Sechserteam deshalb sowohl große wie auch kleine Wehren vertreten.

Gleiches gilt für die Führungsgruppe. Darüber hinaus wird hier darauf geachtete, dass es auch räumlich gesehen eine möglichst große Streuung gibt. Denn die mehr als 40 Mitglieder teilen sich in vier Untergruppen auf - die sich im Namen und der Zuteilung im Einsatzfall an den vier Großen Kreisstädten im Landkreis orientieren. "Tagsüber, wenn es mit der Einsatzverfügbarkeit ein wenig schwieriger sein kann, werden zwei Gruppen alarmiert. Nachts eine", sagt Markus Priesching. Allerdings nicht, wenn klar ist, dass die Mannschaft vor Ort den Einsatz alleine meistern kann. "Wenn es heißt Brand im Hochhaus dann ist die Führungsgruppe dabei", nennt Guido Plischek ein Beispiel. "Wenn aber festgestellt wird, dass im Hochhaus nur der Topf auf dem Herd brennt, dann dreht die Führungsgruppe wieder um."

Im Schnitt werde die Führungsgruppe bei 20 Einsätzen im Jahr mitalarmiert, "real tätig" werde sie allerdings nur bei der Hälfte dieser Einsätze, so der Kreisbrandmeister. Beispielsweise beim Großbrand bei der Firma "Reisser" auf der Böblinger Hulb oder auch beim Hochhausbrand in Sindelfingen vor etwas mehr als zwei Jahren, war die Führungsgruppe an vorderster Stelle gefragt. Aber auch beim Gefahrgut-Unfall auf der Autobahn erst vor wenigen Wochen und bei den drei Großbränden in diesem Sommer - bei Porsche in Weissach, im Holzgerlinger Industriegebiet und beim Gemüsehof Rapp auf Bondorfer Gemarkung - war man gefragt. Gerade bei solchen Einsätzen übernehmen die Mitglieder der Führungsgruppe organisatorische und koordinierende Aufgaben, gruppenintern "S-Funktionen" genannt. Wobei das "S" für Sachgebiete steht. Dazu zählen die Lagedarstellung, die Presse- und Medienarbeit aber auch das Informations- und Kommunikationswesen. Wobei hier keinesfalls das Schwätzchen unter (Feuerwehr-)Kollegen gemeint ist. Vielmehr ist es unabdingbar, dass beispielsweise jeder Einsatzabschnitt einen eigenen Funkkanal zugeordnet bekommt. Nur so können Meldungen und Befehle sicher bei den jeweiligen Adressaten ankommen. Der Zuständige im Sachgebiet "Versorgung" hat dafür zu sorgen, dass Baustoffe und Abstützmaterial, Lastwagen, Hebe- und Räumfahrzeuge vor Ort verfügbar sind. Aber auch, dass Löschmittel und Atemschutzgeräte, der Sprit für Fahrzeuge und Pumpen nicht ausgeht und natürlich dürfen bei stunden- oder gar tagelangen Einsätzen auch Essen, Trinken und womöglich frische Schutzkleidung für die Kameraden nicht nur Neige gehen.

Anhand einer Checkliste, die kontinuierlich fortgeschrieben wird, werden zusammen mit dem Einsatzleiter wichtige Eckpunkte abgesteckt: Sind Ämter, Behörden, der Bürgermeister, der Tierarzt oder das nächstgelegene Klärwerk informiert? Muss eine Luftmessung durchgeführt werden, was passiert mit dem Oberflächenwasser, wo gibt es Bereitstellungsräume, ist trotz Nachalarmierung die Alarmbereitschaft in den umliegenden Gemeinden noch gegeben oder wo muss diese anderweitig hergestellt werden?

Allesamt Fragen, die wichtig - die dem Einsatzleiter vor Ort aber nicht immer direkt präsent sind. Nicht präsent sein können, wie Markus Priesching aus langjähriger Erfahrung weiß. "Man ist so beschäftigt mit dem Einsatz, so konzentriert auf seine Aufgabe und natürlich auch voller Adrenalin, dass man gar nicht alle Details im Blick haben kann." Da sei es hilfreich, dass die Führungsgruppe zur Unterstützung mit- und zuarbeite. Zumal die Kameraden nicht nur über viel Einsatzerfahrung und -wissen verfügen, sondern eben auch eine gewisse Ruhe und eine hilfreiche Distanz zum aktuellen Geschehen mitbringen.

2016 11 23 Wir sind ein starkes Team

Bei größeren Schadensfällen: Die Führungsgruppe bietet Unterstützung vor Ort

Quelle:
Text: Gäubote - Sabine Haarer
Foto: Feuerwehr Grafenau