Der kleine Paul entschwebt ganz mutig in luftige Höhen

Geschrieben von Andreas Widmayer

Herrenberg: Feuerwehr bietet aus dem Korb der Drehleiter spannende Ausblicke über die Stadt und das Herbstschaugelände

Dichter Qualm steigt über dem Herbstschau-Gelände vor der Herrenberger Viehversteigerungshalle auf. Ein großer Metallbehälter steht in Flammen.

Die Rauchschwaden sind schon von weitem zu sehen. Gut, dass jeder Handgriff sitzt. Die jungen Feuerwehrleute wissen genau, was zu tun ist: Die einen schließen den Schlauch ans Einsatzfahrzeug an. Die anderen sorgen für die Wasserversorgung über einen Hydranten, um gerüstet zu sein, falls der Wasservorrat im Fahrzeug nicht ausreichen sollte. Auch die Verkehrsabsicherung wird mit einem Blinklicht und Markierungskegeln routiniert erledigt. Dann richtet ein junger Feuerwehrmann den Wasserstrahl auf die Flammen. Nach wenigen Sekunden sind die brennenden Holzscheite gelöscht. Ein Kinderspiel für den Feuerwehr-Nachwuchs. Die Zuschauer sind beeindruckt - die Übung der Jugendfeuerwehr ist gelungen.

250 Einsätze im Jahr

Bei der Herbstschau gibt die Herrenberger Feuerwehr gleich bei mehreren spannenden Aktionen Einblicke in ihre Arbeit. In der Gesamtwehr fahren derzeit 280 aktive Mitglieder Einsätze. Zudem engagieren sich in der Jugendfeuerwehr 25 Mitglieder; zur Altersabteilung gehören 80 Personen. "Wir rücken pro Jahr über 250 Mal aus", sagt Andreas Widmayer, Pressesprecher der Herrenberger Feuerwehr. Dabei machen nicht etwa Brände, sondern technische Hilfeleistungen den Großteil der Feuerwehr-Einsätze aus. So ist die Feuerwehr beispielsweise bei Unfällen gefragt.

Dass Personen aus einem Fahrzeug geschnitten werden müssen, kommt relativ häufig vor. "Es gab schon sechs bis sieben Unfälle in diesem Jahr, bei denen wir gebraucht wurden", verdeutlicht Widmayer. Wie solch ein Rettungseinsatz aussieht, demonstriert die Aktive Abteilung den Herbstschau-Besuchern: Simuliert wird eine Unfallsituation, bei der ein Verkehrsteilnehmer im Fahrzeug eingeklemmt ist. Mit einer Schere und einem Spreizer arbeiten sich die Einsatzkräfte durchs Blech des ausrangierten Mercedes und befreien die Person. Dass dabei einiges an Kraft notwendig ist, können die Besucher selbst testen, indem sie die 30 Kilogramm schwere Schere probehalber in die Hand nehmen.

Keine Angst

Nicht nur Kraft ist bisweilen erforderlich, sondern auch Schwindelfreiheit - nämlich dann, wenn es um Einsätze in großer Höhe geht. Wie sich das anfühlt, in einem Korb viele Meter über dem Grund zu schweben? "Toll", findet der vierjährige Paul, als er aus etwa 15 Meter Höhe wieder auf dem Boden ankommt und aus dem Korb der Drehleiter steigt - bis auf die vollen 30 Meter hat Widmayer die Leiter diesmal nicht ausgefahren. Paul strahlt über das ganze Gesicht und ist stolz, dass er keinerlei Angst hatte. Andreas Widmayer, der mit im Korb nach oben gefahren ist, hatte Paul gesagt, dass er jederzeit "Stopp" sagen könne, wenn es ihm zu hoch sei. Doch davon konnte keine Rede sein. Für Paul ist klar: Er will Feuerwehrmann werden. Es ist nicht das erste Mal, dass der mutige Junge einen Ausflug mit der Drehleiter in luftige Gefilde macht: Bei einer anderen Feuerwehr-Aktion ging es schon mal 30 Meter hinauf, berichtet seine Mutter Barbara Kreutle, die regelmäßig aus Dettenhausen zur Herbstschau nach Herrenberg kommt.

Bestaunt werden auch die vier Löschfahrzeuge, die die Feuerwehr zeigt - dabei vollzieht sich eine Zeitreise. Der Oldtimer mit dem Baujahr 1932 ist ein wahrer Prachtkerl. Der Schriftzug "Bezirks-Feuerspritze Herrenberg" prangt in Blattgold auf dem Fahrzeug, viele Details sind aus Messing gefertigt und blinken nur so in der Sonne. "Das Löschfahrzeug war im Zweiten Weltkrieg in Herrenberg, Sindelfingen und auch in Stuttgart im Einsatz", erklärt Widmayer. Kostenpunkt für das mit einem Mercedes-Motor ausgestattete Modell: 7000 Reichsmark. Bis 1958 wurde es in Herrenberg verwendet. Auch die Fahrzeuge der Folgejahre bis heute sind sehenswert. Darunter ein 30 Jahre altes "LF 8" - die Zahl bedeutet, dass die Pumpe 800 Liter pro Minute befördert. Einen Wassertank besitzt das Gefährt, das nach wie vor im Einsatz ist, nicht; anders das Hilfeleistungslöschfahrzeug aus dem Jahr 1999, das 2400 Liter Wasser an Bord hat und mit Schere und Spreizer ausgestattet ist. Das neuste Löschfahrzeug stammt aus dem Jahr 2015 und ist vergleichsweise kompakt. Dies ist wichtig, um im Notfall durch die engen Herrenberger Altstadtgassen fahren zu können. "Mit einem großen Fahrzeug kommen wir da nicht durch", sagt Andreas Widmayer.

2016 10 17 Der kleine Paul entschwebt ganz mutig in luftige Hoehen

Quelle:
Text: Gäubote - Esther Elbers
Foto: Gäubote - Bäuerle